Köpfe Wladimir Kaminer: Das Auto bleibt

Worum geht es beim Autofahren? Unser Gastautor Wladimir Kaminer geht dieser Frage in seinem neuen Artikel nach.

Viele denken, das Auto würde den Menschen an die Gemeinschaft binden, ihm das Abenteuer "Leben" nahebringen. Andere wiederum denken, das Auto sei ein Symbol der Unabhängigkeit und Freiheit – eine Unabhängigkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln oder von ihrer Abwesenheit; die Freiheit, jederzeit an jedem Ort sein zu können.

Ich glaube, sie irren. In Wirklichkeit symbolisiert das Auto die Bewegung an sich, den Dreh des Universums. Um das zu verstehen, braucht der Autofahrer etwas Zeit. Sein erstes Auto besorgt er sich natürlich zu einem nützlichen Zweck. Er will damit zum Beispiel in die wilde Natur fahren, raus, dorthin, wo es keine Züge, keine öffentliche Verkehrsmittel gibt. Oder er hat eine große Familie zu ernähren und muss jede Woche viel einkaufen.

Vielleicht will er auch mal einen Ausflug über die Dörfer machen, mit Freunden, mit Familie oder ganz allein, einfach mal aus dem Alltag ausbrechen, neben einem Feld anhalten, einfach so ohne Not, um irgendwelche blauen Blümchen zu bewundern, den Wolken am Himmel zuzuschauen, den frischen Wind zu atmen. 

In der Regel kauft sich der Mensch zu diesem Zweck einen anspruchslosen Wagen. Doch sehr schnell merkt er bei den vielen blauen Blümchen und den Wolken, die er nun bewundern kann, weil das Auto nicht wieder anspringt und bei längerem Anschauen des gestreckten Mittelfingers an den Händen anderer Verkehrsteilnehmer, dass seine Vorstellungen vom Autofahren womöglich falsch waren. Früher oder später wird er dann auf den Gedanken kommen, dass Autofahren nichts mit blauen Blümchen zu tun hat und dass ein PKW ein Powermobil ist und kein Transportmittel, um irgendwelche überflüssigen Güter und quengelnden Personen von Punkt A nach B zu chauffieren.

Ein Auto kann dir den Film draußen in der richtigen Geschwindigkeit zeigen, bei der die ausgestreckten Mittelfinger der anderen Verkehrsteilnehmer entweder keine Rolle spielen oder nicht mehr zu sehen sind. Also kauft sich unser Fahrer einen Wagen mit einem etwas dickeren Hinterteil. Dann einen anderen mit noch etwas dickerem Hinterteil und ein paar Jahre später noch einmal einen anderen mit einem anderen Motor. Dadurch verändert sich sein Weltbild. Die blauen Blümchen, die Ausflüge in die Natur, die Wolken am Himmel verschwinden. Auch die Punkte A und B spielen keine Rolle mehr.



Ein Auto zeigt dir den Film draußen in der richtigen Geschwindigkeit

Was bleibt, ist das Fahren selbst, die Verkehrsschilder auf der Autobahn und komische große und kleine Leute auf der hinteren Sitzbank, die ständig pinkeln oder kotzen wollen, womit sie das Fahren wesentlich verlangsamen. Man muss dann immer anhalten, warten und andere Verkehrsteilnehmer vorbeifahren lassen. Wenn sich die Personen auf der hinteren Sitzbank jedoch ein bisschen zusammenreißen (so schwer ist das nicht), dann geht es. Menschen, die einmal gefahren sind, können nicht mehr laufen, auch ohne Auto fahren sie weiter in Gedanken und sind deswegen für Außenstehende schwer zu verstehen. Und deswegen wird das Auto nie wegmodernisiert werden.

Sicher wird auch das Auto eine andere, eine neue Form bekommen, es wird statt Sprit Gas schlucken, wenn Sprit alle ist, dann Strom, Wind, Stroh, Bakterien oder mit einer chemischen Reaktion das Adrenalin, das unterwegs im Fahrer entsteht, und sich in das Drehen der Räder umwandeln lässt, egal wie. Hauptsache, es – das Auto – kann richtig fahren.

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