Köpfe Wladimir Kaminer: Auf Wanderschaft

Über die Sinnsuche und Begegnungen im Wald

Seit fünf Jahren habe ich einen ŠKODA Superb. Ein tolles Auto, das mich auf meiner endlosen Lesereise durch Deutschland begleitet.  Am liebsten fahre ich keine Autobahn, sondern kleine Landstraßen, Alleen, Wege, die nicht auf jeder Karte eingezeichnet sind. Neulich, in der Nähe des thüringischen Ortes Arnstadt, fuhr ich durch den Wald und traf auf eine Wandergruppe, die überwiegend aus älteren, sehr glücklich wirkenden Menschen bestand.

Man sah ihnen an, dass sie einem Traum folgten beziehungsweise auf Sinnsuche waren. Wahrscheinlich eine Sekte, dachte ich. Die Menschen sind schon immer aus Ratlosigkeit gewandert. Sie haben sich mit Fragen über die Ursache ihrer unglücklichen Situation gequält. Sie wollten klare und unmissverständliche Antworten auf ihre Fragen haben. Doch klare Antworten auf komplizierte Fragen bieten nur Schurken oder Idioten an. Der Mensch hat schon immer, gleich nachdem er aus dem Paradies geschmissen wurde, ein Vertrauensproblem. Er traut den Philosophen und Asketen nicht, weil ihre Weisheiten zu nebelig und ausschweifend waren und sind.

Er zweifelt an der Wissenschaft, denn die Wissenschaftler wollen gleich alle Geheimnisse des Lebens lüften, sie suchen nach einer universellen Wahrheit, die Menschen sind aber alle verschieden. Er glaubte auch nicht den Kirchen, es gab zu viele davon, und jede sagte etwas anderes und wollte dafür sofort sein Geld oder sein Leben haben. Er hielt selbstverständlich gar nichts von Politikern, weil die Politiker unehrliche Menschen sind. Sie erzählen jedem, was er hören will und versprechen jedem, was er haben will, und das tun sie nur, um gewählt zu werden.

Man sah ihnen an, dass sie einem Traum folgten beziehungsweise auf Sinnsuche waren.

Aber irgendjemandem sollte doch jeder Mensch trauen, zum Beispiel seiner inneren Stimme. Die Stimme drängt ihn. "Steh auf!", sagt die Stimme. Geh auf Reisen, schaue Dir die Welt mit eigenen Augen an, nur unterwegs wirst Du zu Dir selbst finden und die Welt neu entdecken, die Lücke zwischen der unklaren Ursache Deiner Geburt und dem nicht ausgesprochenen Ziel Deines Seins wird sich schließen. Es gab früher viele russische Wanderer, die mehrmals von Russland nach Jerusalem und zurückwanderten. Die Moslems gehen regelmäßig in Massen nach Mekka, die Europäer haben dafür den berühmten Jakobsweg, den sie wegen der gleichnamigen Muschel aufsuchen, die man auch Pilgermuschel nennt. Für mich wäre diese Muschel, ob mit Käse überbacken oder frisch gegrillt mit einem passenden Weißwein dazu, Grund genug, los zu wandern.

Die Gruppe, die ich im Wald zwischen Arnstadt und Holzhausen traf, war mit ihrer Wanderung schon viel weiter, ihre Route sah ich als eine visionäre Fortsetzung des Jakobsweges, zwar nicht so weit und beschwerlich, aber mit präzise benennbaren Zielangaben. Ihre Wanderroute hieß "Von Bier zur Bratwurst", sie galt als mittlere Schwierigkeitsstufe, Distanz 16 Kilometer, Dauer unbegrenzt. Die Route ermögliche einen tiefen Einblick in die mittelalterliche deutsche Geschichte, erzählten mir die begeisterten Wanderer.

Nur unterwegs wirst Du zu Dir selbst finden und die Welt neu entdecken.

Nach den ältesten Aufzeichnungen des Jungfrauenklosters wurde hier bereits im Jahr 1404 die Bratwurst erfunden, die dem Mensch alle seine Sinne, den Sinn des Lebens eingeschlossen, kitzelte. Das deutsche Weizenbier wurde ebenfalls hier erfunden, aber erst 200 Jahre später. Wie es die Mönche des Jungfrauenklosters diese 200 Jahre ausgehalten haben - mit Wurst aber ohne Bier, bleibt mir ein Rätsel.

Heute kommen Menschen aus der ganzen Welt, um diesen Weg zu begehen und manche bleiben länger. Die Route beginnt im ersten deutschen Bratwurstmuseum mit einem Riesenbier, womit eigentlich jede anständige Route beginnen sollte. Sie führt sodann durch einen Riesenlöffel zu einer begehbaren Bratwurst, von dort zum Bier zwischendurch und endet an einem Riesengrill. Wer auch danach noch Fragen hat, der muss einen Schnaps kippen. Als Autofahrer konnte ich bei so viel Alkohol natürlich nicht mitmachen, bedankte mich höflich und fuhr in meinem ŠKODA Superb weiter.

In Touch with ŠKODA.

Das neue Online-Magazin extratouch von ŠKODA AUTO Deutschland ist Ihre neue Web-Adresse für spannende Interviews, aktuelle Hintergrundinformationen, vielseitige Einblicke in die Welt der tschechischen Traditionsmarke und interessante Geschichten über Menschen und aus dem Leben. Willkommen!
Impressum | Datenschutz

Nach oben