Köpfe Wenn Oldtimer zur Kur gehen

In Jens Herkommers "Sachsenklinik" werden Oldtimer für die AvD-Histo-Monte wieder fit gemacht

Im Februar 2016 startet ŠKODA AUTO Deutschland wieder bei der AvD-Histo-Monte. Für die Strecke von Mainz nach Monte Carlo macht Oldtimerschrauber Jens Herkommer die Fahrzeuge fit.

Es riecht nach Öl, Werkzeuge klappern, das Surren einer Hebebühne ist zu hören. In der Werkstatt von Jens Herkommer im erzgebirgischen Schwarzenberg werden die ŠKODA Oldtimer für die 20. AvD-Histo-Monte, die legendäre Winter-Rallye mit einer Strecke von knapp 2.000 Kilometern, fit gemacht. Vier ŠKODA Karossen gehen im Februar 2016 (17. bis 21. 2.) in Mainz zur wohl härtesten Oldie-Rallye, die über die Alpen führt, an den Start. Damit alle Fahrzeuge sicher ins Ziel gelangen, müssen sie einer gründlichen Revision auf „Kolben und Keilriemen“ unterzogen werden.

"Das ist eine riesige Verantwortung", sagt Jens Herkommer, während er einen Blick auf den Motor seines „Lieblingskindes“, eines 130 RS (Baujahr 1976), wirft. Der „Porsche des Ostens“, wie er auch genannt wird, war für ŠKODA Fans schon ein Traum, als es noch den Eisernen Vorhang gab. Der schnittige Flitzer auf  Herkommers Hebebühne ist der Einzige seiner Art, der Wettbewerbe fährt. Das seltene Stück, das der versierte Oldtimerschrauber für ŠKODA AUTO Deutschland vor fast vier Jahren als „Schrotthaufen“ kaufte, wurde insgesamt nur 35 Mal gebaut. 

Revision statt Reparatur

Beim Zerlegen des Autos bleibt keine Schraube in der Mutter: Ausgebaut werden der Motor, das Getriebe, die Bremsen, die Achsen. Jedes der Teile wird genauestens begutachtet, Verschleiß behoben oder ersetzt. Wie beispielsweise die Kurbelwelle des Motors. Sie wird sogar – je nach Anzahl der Einsätze – mehrmals in der Saison ausgewechselt. Der ebenfalls ausgebaute Kabelbaum wird auf Scheuerstellen überprüft. Sogar die Scheiben werden herausgenommen. „Dann wird die Karosserie einer Sichtprüfung unterzogen. Alles, was gerissen ist, wird nachgeschweißt und anschließend lackiert“, sagt Herkommer, der seit rund zehn Jahren die Oldtimer für ŠKODA AUTO Deutschland in Fahrt bringt. Der 130 RS hat für Jens Herkommer und seinen Mitarbeiter Mike Poppe einen besonderen Reiz. Nicht nur, weil er vom siebenfachen deutschen Rallye-Meister Matthias Kahle gefahren wird. Er hat 136 PS, obwohl die Basis dieses Flitzers der ŠKODA 110 R war, der mit nur 50 PS rollt. Dieser Herausforderung begegnet der Erzgebirgler, der schon zu DDR-Zeiten bei ŠKODA in seinem Heimatort Crandorf lernte, nach der Wende seinen Kfz-Meister machte und seit 22 Jahren seine eigene Werkstatt hat, mit Kreativität und Erfahrung: „Wir entwickeln die Fahrzeuge immer weiter. Gerade arbeiten wir an einer robusteren Kurbelwelle, die nicht so oft ausgewechselt werden muss.“ 

Das ist der Unterschied zum Oldtimer, der nur ab und zu spazieren gefahren wird. Die Rallye-Oldtimer werden „nicht repariert, sondern revidiert“, sagt Herkommer. „Es  sind eben Sportgeräte, obwohl sie alt sind. Das ist das Besondere.“ Und es ist zeitintensiv. Rund drei Monate dauert die Revision der Fahrzeuge für die Histo-Monte.



Wir entwickeln die Fahrzeuge immer weiter.

Gelebter Traum

Der ŠKODA 110 R (Baujahr 1978) ist schon startklar. Er steht in einer anderen Halle des Zehn-Mann-Unternehmens auf dem Leistungsprüfstand, der letzten Station vor der Rallye. Wie im Fitness-Studio auf dem Laufband rollt der flotte orangefarbene Flitzer eine halbe Stunde lang bei laufendem Motor auf der Stelle. Per Computer wird die Leistung gemessen, die Abgaswerte und die Zündung werden überprüft. Herkommer ist zufrieden: „Das Fahrzeug hat die Probefahrt problemlos unter erschwerten Bedingungen bestanden.“

Er freut sich auf die Rallye, startet er doch selbst im eigenen ŠKODA 120 L bei der Histo-Monte. Aufregend ist es immer wieder. Als ihm vor ein paar Jahren auf einer Rallye die Kurbelwelle in der Schweiz brach, setzte sich sein Sohn in Schwarzenberg sofort ins Auto und brachte ihm eine neue. „Ich habe die ganze Nacht geschraubt und bin morgens wieder gefahren.“ Für Jens Herkommer ist so etwas kein Problem. Er liebt seinen Job: „Ich lebe damit meinen Traum.“

Für alle Oldtimer-Fans gibt Jens Herkommer noch ein paar Tipps zur Pflege für das eigene Gefährt:

  • Über Winter den Tank leeren. Im Gegensatz zu früher, verfügt der Kraftstoff heute über einen hohen Anteil an Biomasse. Diese neigt zum Verfall, was dem Motor schaden könnte.
  • Besser geht es dem Oldtimer beim winterlichen Garagenaufenthalt insgesamt, wenn der Reifenluftdruck erhöht und das Auto auf Böcke gestellt wird. Auf Dauer entlastet das die Federn.
  • Auch sollte beim Oldie die Batterie ausgebaut, trocken und warm gelagert und an ein Batterie-Erhaltungsladegerät angeschlossen werden, damit sie sich nicht so weit entleert, dass sie kaputt geht.
  • Unbedingt sollte man Oldtimer wirklich alle 3.000 Kilometer zur Inspektion bringen. Denn sie sind empfindlicher: In früheren Jahren wurde noch kein selbstschmierendes Material verbaut und auch die Motoren hatten noch keine Ölfilter.
  • Das Fahrzeug sollte nicht nur im Trockenen stehen, auch sollte das Frostschutzmittel im Kühler vor dem Winter kontrolliert werden.
  • Und: „Die beste Pflege für einen Oldtimer ist natürlich, das Auto regelmäßig zu bewegen“, sagt Jens Herkommer. Ein sehr willkommener Tipp.

Ein sehr willkommener Tipp!

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