Lifestyle Unterwegs in Nordböhmen: Poesie und Passion

Frauenhelden und Mönche lebten in Nordböhmen einst eng beieinander. Der zweite Teil der Serie "Nordböhmen" wandelt auf ihren Spuren

Der Norden Tschechiens wird in Reiseführern oft stiefmütterlich behandelt. Dabei bezaubert der Landstrich durch viel unberührte Natur, verwunschene Schlösser und Gärten. Überall stoßen wir auf Spuren berühmter Persönlichkeiten, die das Schicksal irgendwann einmal in diese Region verschlug. Nach dem Besuch bei Ulrike von Levetzow (Goethes letzter Liebe) begeben wir uns im zweiten Teil der Serie "Nordböhmen" auf die Spuren des Frauenhelden, Schriftstellers und Abenteurers Giacomo Casanova (1725–1798). Er verbrachte die letzten 13 Jahre seines Lebens auf Schloss Duchcov. Nicht weit von hier lebten in Osek einst Zisterzienser-Mönche.

Das Barockschloss (erbaut 1675–1685 für den Prager Erzbischof Johann Friedrich Waldstein) liegt mitten im Ortskern der 8.450-Seelen-Gemeinde Duchcov. Vor dem Eingang tummelt sich eine Reisegruppe aus Deutschland. Die meisten Besucher kommen aus dem Nachbarland. Sie sind auf den Spuren Casanovas unterwegs, der an diesem verwunschenen Ort am Fuße des Erzgebirges rund 90 Kilometer von Prag als Besuchermagnet fungiert. Das bestätigt auch Schlossmitarbeiter Petr Bruna: "Die Schlossführung zu Ehren Casanovas ist sehr gefragt, er ist international bekannt."

Ruhe für Casanova

Jährlich schauen sich einige Tausend Menschen die Gemächer des damals alternden Literaten und Frauenhelden an, der mit 60 Jahren im Spätsommer 1785 nach Duchcov kam. Damals hoffte der Italiener, an diesem Ort Ruhe und eine gesicherte Existenz zu finden. Immerhin: Er war kurz vorher spektakulär einer 15-monatigen Festungshaft entflohen. Eingeladen hatte ihn der damalige Schlossherr, Graf Karl Emanuel von Waldstein (1755–1814), den Casanova auf der Durchreise nach Dresden im nahen Teplice/Teplitz kennengelernt hatte. Dem finanziell klammen Casanova bot der Graf nicht nur eine Stelle als Schlossbibliothekar mit festem Einkommen, sondern auch eine Wohnung an, die heute noch zu besichtigen ist – und wirkt, als hätte Casanova sie gerade erst verlassen.

Der magische Stuhl

In seinem Arbeitszimmer steht noch immer der Stuhl, in dem er starb und auf dem ihm zu Ehren bis heute stets eine Rose liegt. Glaubt man der Legende, wird jeder Mann, der sich auf diesen Stuhl setzt, Erfolg bei Frauen haben, verrät Bruna. Erlaubt ist das jedoch nicht, da das antike Stück vor weiterem Verschleiß bewahrt werden soll. Versucht wird es trotzdem immer wieder. Die Strafe bleibt nicht aus: Am Ende des Rundgangs gibt es für das Vergehen einen strengen Blick von Casanova persönlich. Hinter der Bibliothek – Casanovas Arbeitsplatz – findet sich eine Geheimtür, die für Besucher kurz geöffnet wird.

Dort schreibt der Meister bei Kerzenschein gerade an seinen zwölfbändigen Memoiren, die er tatsächlich auf Schloss Duchcov verfasste. Das war ihm auch wesentlich lieber als sein ursprünglicher Auftrag, für die damals mit 40.000 Büchern bestückte Bibliothek einen Katalog anzulegen. Dass er als eher schlecht gelaunter Gast in Erinnerung geblieben ist, mag daran liegen, dass er sich in der Provinz nicht wirklich wohl fühlte und ständig mit dem Schlosspersonal im Clinch lag. Auch mit den Liebschaften klappte es nicht mehr so wie einst. Nach seinem Tode wurde er auf dem Friedhof St. Barbara begraben, allerdings verschwand sein Grab, als der Totenhain aufgelassen wurde.

Casanova war nicht der einzige Gast, wenn er auch am längsten blieb. Enge Beziehungen zum Schloss und seinen jeweiligen Besitzern pflegten auch Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und Ludwig van Beethoven, der 1812 auf Duchcov ein Konzert gab und dem Grafen Ferdinand Ernst von Waldstein die "Waldstein-Sonate" widmete. König-kaiserlich wurde es hier 1813, als sich der russische Zar Alexander I., Preußenkönig Wilhelm III. und Kaiser Franz I. von Österreich in Duchcov zu wichtigen Gesprächen trafen.

Erfolg bei Frauen

Wieder in voller Pracht

In den letzten Jahren hat sich in Duchcov viel getan. Ständig wird irgendwo am Schloss gebaut – immer gerade so viel, wie es die Finanzdotierungen aus dem Fonds für Denkmalschutz zulassen. Im Frühjahr wurde das Barocktheater in einem der Seitenflügel restauriert und damit ein weiteres Andenken an den berühmten Bewohner zu neuem Leben erweckt: "Casanova schrieb Stücke für das Theater, die hier wieder aufgeführt werden sollen", erklärt Petr Bruna. Belebt wird das Schloss heute zusätzlich durch ein Café mit Terrasse zum Park sowie die schlosseigene Galerie "Giacomo", die wechselnde Ausstellungen bietet.

Im Schloss selbst lohnt sich außerdem ein Blick in die Sammlungen der Waldsteins und in den Waldsteinschen Saal. Ein absolutes Muss ist der Gang um das Schloss herum: Hier kann der Besucher verschiedene Plastiken des berühmten Bildhauers Matthias Braun bestaunen. Der gepflegte Park wurde durch den Tagebau in den 1950er Jahren leider zur Hälfte vernichtet. Heute erstrahlt der Fürstengarten, in dem stets ein fleißiger Gärtner werkelt, wieder in voller Pracht – ganz wie zu Casanovas Zeiten.

Terrasse zum Park

Zu Besuch im Kloster

Von Duchcov aus sind es nur fünf Kilometer nach Osek/Osegg. In der kleinen Stadt dominiert das barocke, einst von Zisterzienser-Mönchen bewohnte Kloster die Szenerie. Gegründet wurde es 1198. Auch wenn hier heute keine Mönche mehr leben, findet man ein reiches Kulturleben und viele Touristen, die sich die barocken Schätze ansehen wollen. Auf dem Klostergelände herrscht Aufbruchstimmung. Gerade wird die barocke Kirche "Mariä Himmelfahrt" restauriert. Für Kunstliebhaber ist der sakrale Bau mit seinen wertvollen Fresken, der Orgel mit 5.188 Pfeifen und der reich verzierten Totenkapelle eine wahre Offenbarung. Trotz der Bauarbeiten sind Führungen möglich.

Die Restauratoren nicken den Touristen freundlich von ihren Gerüsten aus zu. Arbeit gibt es genug: Nachdem die letzten Mönche mit Ende des Zweiten Weltkriegs das Kloster verlassen mussten und die Gebäude zu Zeiten des Kommunismus als Jugenderziehungsanstalt und Altenheim dienten, war der heilige Ort arg heruntergewirtschaftet. Erst 1991 zog wieder ein Abt ein. Der ehemalige Bauingenieur aus Deutschland lebte nicht nur nach den strengen Regeln der Zisterzienser in Osek, er engagierte sich darüber hinaus bis zu seinem Tod für die Wiederbelebung dieses heiligen Ortes.

Über seinen Tod hinaus setzen sich die Aktivitäten fort: So wurde im letzten Jahr zum Beispiel die ehemalige Klosterbrauerei unter dem Namen "Ossegg" wieder gegründet, in Anknüpfung an die Brauerei aus dem 18. Jahrhundert. Die selbstgebrauten Köstlichkeiten werden nach traditionellem Rezept hergestellt und in schicken Retro-Flaschen verkauft.

Kirche Mariä Himmelfahrt

Nordböhmen erleben

Wie lebte der berühmte Frauenheld, Schriftsteller und Abenteurer Giacomo Casanova auf Schloss Duchcov? Wo trafen sich einst Persönlichkeiten wie Zar Alexander I. und Kaiser Franz I. zu wichtigen politischen Gesprächen? Finden Sie es selbst heraus – und begeben Sie sich auf eine einzigartige Entdeckungsreise. Das stilvolle 4-Sterne-Hotel "Vetruse" oberhalb von Ústí nad Labem/Aussig ist die ideale Ausgangsbasis für spannende Erkundungstouren – denn das fürstliche Anwesen liegt nur wenige Kilometer entfernt. Unser dreitägiges Pauschalangebot (immer Samstag bis Montag) umfasst zwei Abendessen, Welcome-Drink, Seilbahnfahrt, freies Parken sowie den Eintritt ins ŠKODA Museum inklusive Werksbesichtigung (Montagvormittag). Preis: 124 Euro pro Person im Doppelzimmer, Einzelzimmerzuschlag 28 Euro. Die Reise kann mit den Prag- Angeboten unter www.kampf.net erweitert werden.

4-Sterne-Hotel Vetruse

Artikel erstmalig erschienen im ŠKODA Kundenmagazin Extratour, Nr. 2/2016.

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