Aktiv Team: fähig! (Teil 2)

ŠKODA Rallye: „Wir sind wie ein gutes Uhrwerk!“

Mit den Händen in den Jackentaschen steht Leue nun auf einer Kuppe mit Blick auf die Felder. Von dieser Stelle aus kann er sein Team über etwa einen Kilometer beobachten. Deutlich länger als von den offiziellen Zuschauerpunkten. „Beobachten“ ist allerdings nicht ganz zutreffend. In der Finsternis sieht man kaum mehr als die – extrem hellen – Scheinwerfer. Der Teamleiter verlässt sich daher mehr auf seine Ohren als auf seine Augen. Kaum zu glauben, aber man erkennt die Fahrzeugfabrikate tatsächlich am Sound. Die einen kommen mit einem tiefen Grollen daher, andere knattern wie Silvesterböller, einige jaulen regelrecht über die Feldwege.

Dass der ŠKODA Fabia auf die Kuppe zurast, hört man daran, dass man nichts hört. Zumindest wenig. Erst als er direkt vorbeirauscht, ist das satte, kraftvolle Motorengeräusch zu erkennen. Er ist der Dandy unter den Rallye-Boliden. Per Mobiltelefon hält Logistiker Hohenberger Andreas Leue über die Prüfungszeiten auf dem Laufenden. Er sitzt im Zelt und verfolgt online, wie sich das Team schlägt. Die Ergebnisse werden in Echtzeit auf der Website des Veranstalters gepostet und von Hohenberger per SMS auch in den Fabia geschickt. Status: Aktuell sind Kreim und Christian die Besten im Feld.

Während der Fabia R5 über die Feldwege braust, bereiten sich die Mechaniker im Zelt auf den Service vor. Geredet wird kaum. Auch später nicht. Das Wenige, was jetzt gesprochen wird, ist Englisch. Es ist die offizielle Rallyesprache und hier im Team auch deshalb hilfreich, weil zwei der vier Mechaniker aus Tschechien stammen. Zwar sprechen sie etwas Deutsch und die anderen ein paar Worte Tschechisch, aber die Spezialbegriffe kennen sie eben alle auf Englisch.

Überhaupt geht es hier international zu. ŠKODA AUTO Deutschland hat für die technische Betreuung die BRR-Mannschaft rund um den Österreicher Raimund Baumschlager engagiert. Es sind seine Mitarbeiter, die hier routiniert die Maulschlüssel schwingen. Sie sind allesamt Vollprofis. Kein Wunder: Baumschlager fährt selbst äußerst erfolgreich Rallye, trägt nun schon 14. Mal den Titel des Österreichischen Rallye-Staatsmeisters. Er steht Kreim und Christian auch als Mentor zur Seite. Heute ist er ausnahmsweise nicht vor Ort – er wird bei der World Rally Championship (WRC) im spanischen Salou gebraucht. Aber seine Leute wissen schließlich bis zur kleinsten Schraube, was zu tun ist.


Jeder der vier Mechaniker hat sein „Revier“ und seine Choreografie, die er routiniert abarbeitet.

Neben dem Zelt steht ihr Truck. Der beherbergt die mobile Werkstatt. Darin verschwinden immer wieder die BRR-Männer, so auch Christian Wiedenhofer. Er ist der „Car-Chef“, trägt die Gesamtverantwortung für den Service. Mit einem breiten Grinsen steht er im Lkw und breitet die Arme aus: „Das ist unser Reich.“ Er muss es rufen, weil draußen ein Kompressor die Konsonanten wegknattert. Um Wiedenhofer herum lagert nahezu ein kompletter zweiter ŠKODA Fabia R5 in Einzelteilen. Nur Chassis und Motor fehlen, die dürfen laut Reglement während der Rallye nicht ausgetauscht werden. Sonst ist alles da: Ein einsatzbereites Getriebe, eine komplette Lenkung, ein Differenzial, Kardanwelle, Fronthaube, Ersatzfahrwerk (allerdings ein deutlich weicheres als dasjenige, das gerade im Einsatz ist). Und: Reifen. Stapelweise. Für jedes Wetter, jeden Straßenbelag, jede Mondphase.

Während der Rallye führen die Mechaniker eine Verbrauchsliste. Unmittelbar nach dem Wochenende wird jede noch so kleine Kleinigkeit wieder aufgefüllt. Ein fehlendes Teil kann zum Totalausfall führen. Das wäre der Albtraum. Aber was, wenn doch einmal etwas fehlt? „Dann wird improvisiert“, sagt Wiedenhofer. Überhaupt sei Improvisationstalent das Wichtigste bei diesem Job. Und Präzision. Und Schnelligkeit.

Schnelligkeit ist jetzt besonders gefragt. Der Bildschirm am Arbeitsplatz zeigt an, dass der Fabia jede Minute von der ersten Etappe zurückkehrt. Das Team hat im abendlichen Schlussservice exakt 45 Minuten Zeit, das gesamte Fahrzeug zu überprüfen, keine Sekunde länger: Reifen wechseln, Unterböden abnehmen und nachsehen, ob dort alles in Ordnung ist, Brems- und sonstige Flüssigkeiten prüfen und im Zweifel Bremsscheiben, Stoßdämpfer oder gar das Getriebe austauschen.


Schnelligkeit ist jetzt besonders gefragt.

Anders als im Rundstreckensport kann das Fahrzeug nicht einfach bei Bedarf von der Piste in den Service (oder Pit-Stop, wie es dort heißt). Der Wagen muss aus eigener Kraft zurück ins Werkstattzelt kommen. Erst hier und nur in der vorgegebenen Zeit darf repariert werden. Wenn etwas auf der Strecke passiert, müssen Pilot und Copilot selbst ran. Deshalb ist in der Frist wirklich alles Nötige zu kontrollieren oder auszutauschen. Und deshalb wird hier auch kaum gesprochen. Jeder der vier Mechaniker hat sein „Revier“ und seine Choreografie, die er routiniert abarbeitet. Ganz offensichtlich hat das Team gute Nerven. Und Schnellverschlüsse. Denn man darf sich etwa den Austausch eines Fahrwerks nicht wie bei einem herkömmlichen Fahrzeug vorstellen. Alles ist auf Geschwindigkeit ausgerichtet.

In einem kleinen Pavillon neben dem Hauptzelt hat sich derweil ein anderer der Improvisation und Schnelligkeit verschrieben: Klaus Lotz schwingt keine Maulschlüssel, sondern den Kochlöffel. Er und eine Mitarbeiterin haben am Nachmittag die Penne zubereitet. Und am Abend Leberkäs. Morgen gibt es zum Frühstück Weißwürste. Der Teamkoch bemüht sich, immer etwas Lokalkolorit in die Verpflegung zu zaubern. Mit Erfolg. Bis zu 120 Gäste bewirtet er aus seiner drei mal drei Meter großen „Feld­küche“. Etwa zwei Wochen im Voraus stimmt er seine Vorschläge mit dem Organisationsteam und den Fahrern ab. Frühstück, Mittagessen, Nachmittagskaffe und Abendessen. Wenn der Speiseplan steht, geht es an die Beschaffung. Wo bekommt man die besten Weißwürste vor Ort? Wo gibt’s die leckersten Brezen? Seine Quellen sind Erfahrung, Google und auch mal der Koch des Team­hotels. Schmecken muss es, schließlich hält Essen Leib und Seele zusammen. Seine Rolle ist nicht zu unterschätzen. Lotz lebt und liebt sie. Er ist selber Motorradrennen gefahren und weiß, wie gut eine wohlschmeckende Stärkung tut. Doch für heute ist seine Arbeit getan, jetzt macht er den Abwasch, die Nacht wird kurz.

Fahrzeugingenieur Walter Illmer sitzt inzwischen wieder am Laptop. Er liest den Chip aus dem R5 aus und denkt darüber nach, was in der nächsten Etappe optimiert werden kann. Es gibt immer etwas zu verbessern. Denn: Nach der Wertungsprüfung ist vor der Wertungsprüfung.


Nach der Wertungsprüfung ist vor der Wertungsprüfung.

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