Rückspiegel ŠKODA: So wurde aus two-door "Tudor"

Rückblick auf eine Legende: Der ŠKODA "Tudor" feiert seinen 70sten!

Eine Legende feiert 70-jähriges Jubiläum: Der ŠKODA 1101 „Tudor“ war das erste Nachkriegsmodell von ŠKODA – und gab den Startschuss für eine neue Ära in der Geschichte der tschechischen Traditionsmarke. Mehr als 70.000 „Tudor“ verließen zwischen 1946 und 1952 die Werkshallen. „In den ŠKODA 1101 sind die Stärken aus mehreren Generationen der Modellreihen Popular und Rapid eingeflossen, dank denen ŠKODA bereits 1936 der größte Automobilhersteller in der damaligen Tschechoslowakei geworden war“, sagt Andrea Frydlová, die Leiterin des ŠKODA Museums, und ergänzt: „Der ‚Tudor‘ übertraf seine Vorgänger noch deutlich.“ Grund genug also, den 70sten des „Tudor“ gebührend zu feiern – das ŠKODA Museum in Mladá Boleslav erinnert bis zum 30. August 2016 mit einer eigenen Ausstellung an den populären Tschechen.

Zum Neustart des Unternehmens 1946 trug der ŠKODA 1101 entscheidend bei. Nachdem ŠKODA die Fertigung zunächst mit den Vorkriegsmodellen Rapid und Popular 995 wieder aufnahm, bildete der neu konstruierte 1101 die Basis einer modernen Modellpalette, die in den Folgejahren immer breiter gefächert wurde. Die Modellreihe 1101 wurde im Staatsunternehmen AZNP (Automobilové závody, národní podnik, zu Deutsch: Automobilwerke, volkseigener Betrieb) produziert. Im bis heute existierenden ŠKODA Stammwerk Mladá Boleslav entstand das Fahrgestell inklusive der kompletten Technik. Die neu eingegliederten Standorte Kvasiny und Vrchlabí – auch diese beiden ŠKODA Werke produzieren nach wie vor – übernahmen den Aufbau der Karosserie. Der Startpreis für den ŠKODA 1101 lag anfangs bei 67.700 Kronen. Aufgrund der damals vorherrschenden schlechten Wirtschaftslage mussten Kunden einen Bezugsschein vorweisen.

Der geschlossene Zweitürer trug im Englischen den Zusatz „two-door“. Daraus entstand schnell die volkstümliche Bezeichnung „Tudor“. Um den gestiegenen Ansprüchen der Kunden im In- und Ausland nachzukommen, stellte ŠKODA dem Zweitürer eine viertürige Limousine mit leicht abgesetztem Kofferraum zur Seite. Diese viertürige Sedan-Variante nutzten zahlreiche tschechoslowakische Ministerien und das diplomatische Corps als Dienstfahrzeug. Ab 1949 avancierte der Sedan sogar zur meistgebauten Version.

simply clever eben

ŠKODA erweiterte das Angebot weiter: Zum klassischen zweitürigen „Tudor“ und der Sedan-Variante gesellte sich ein schickes „Tudor“-Cabriolet mit festen Türrahmen und hinteren Seitenscheiben, bei dem sich das Stoffdach nach hinten falten ließ. Noch eleganter präsentierte sich die komplett offene Roadster-Version, bei der sich das Faltdach eng über die geduckte Fahrgastzelle spannte. Doch der „Tudor“ konnte nicht nur volkstümlich und schick, er erschien auch als praktischer Lastesel. Die Nutzfahrzeug-Variante des 1101, ein Pritschenwagen mit festem Fahrerhaus, erwies sich als zuverlässiger Lieferwagen. Die Kombiversion – seinerzeit als Station Wagon (STW) bezeichnet – bot bereits damals die Möglichkeit, die Rückbank umzuklappen und die Ladefläche auf 1.490 mm Länge und 1.380 mm Breite zu vergrößern. Eben „Simply Clever“ und seiner Zeit voraus.

ŠKODA 'Tudor': Ein wahrer Alleskönner

Auch in puncto Technik zeigte sich der ŠKODA „Tudor“ ausgesprochen modern. Als Antrieb diente ein Vierzylinder-Reihenmotor mit OHV-Ventilsteuerung. Aus 1.089 ccm Hubraum entwickelte er eine Spitzenleistung von 32 PS. Zudem konnte der ŠKODA 1101 „Tudor“ mit kräftig zupackenden Hydraulikbremsen überzeugen. Der weiter entwickelte 1102 bot ab 1949 sogar die seinerzeit als besonders sportlich empfundene Lenkradschaltung. Die je nach Version üppigen Chromverzierungen machten das Paket perfekt.

Die Vorzüge des „Tudor“ wurden in großen Teilen der Welt geschätzt – bereits 1947, also nur ein Jahr nach Produktionsstart, exportierte ŠKODA das Erfolgsmodell in 36 Länder. Vier weitere Jahre trat der „Tudor“ bereits in 76 Ländern an. Die Liste der Märkte, in denen der „Tudor“ fest etabliert war, ist lang: Bundesrepublik Deutschland, Polen, Niederlande, Belgien, Südafrika, Australien, Brasilien, Indien, Kanada und in der Südafrikanischen Union gehörte der „Tudor“ zu den gefragten Modellen. Zwischen 1946 und 1952 wurden 66.904 „zivile“ ŠKODA „Tudor“ produziert, weitere 4.237 Fahrzeuge kamen für militärische Zwecke hinzu. Diese Varianten trugen die Bezeichnung ŠKODA 1101 VO (für vojenský otevřený, Militärausführung offen) und 1101 P (pohotovostní, Bereitschaft). Sowohl der 1101 VO als auch der 1101 P wurde von den Streitkräften und Polizeibehörden mehrerer Länder eingesetzt.

Das perfekte Paket

Die Vielseitigkeit des ŠKODA 1101/1102 reichte jedoch noch viel weiter: bis in den Motorsport. Beim berühmten 24-Stunden-Rennen im belgischen Spa feierte ŠKODA mit dem „Tudor“ sogar einen Dreifachsieg in der Klasse bis 1.100 ccm. Die im Rennsport eingesetzten Spezialversionen des „Tudor“ nannten sich ŠKODA Sport und Supersport und verfügten über verschiedene leistungsgesteigerte Motorausführungen. Eine besonders „heiße“ Version, die mit einem Roots-Kompressor aufgeladen wurde, mobilisierte aus 1.490 ccm Hubraum eine Leistung von 180 PS (132 kW) und erzielte eine Spitzengeschwindigkeit von über 200 km/h. Die Erfolge aus dem Motorsport beflügelten den Absatz des „Tudor“ im Ausland – schließlich wollten schon damals viele Menschen einen Gewinnertyp fahren. Als schöne Reminiszenz an die Erfolge des 1101/1102 und zur Feier des 70sten nahm im Mai 2016 ein ŠKODA „Tudor“ Roadster an der Oldtimer-Rallye Wiesbaden teil.

echter Sportsgeist

Fest steht: Dem ŠKODA 1101/1102 gebührt in der traditionsreichen Historie von ŠKODA definitiv ein Ehrenplatz und seine gut durchdachte Technik strahlte auch auf darauffolgende Modelle ab. So bauten die Nachfolger bis 1964 auf das technische Konzept des „Tudor“ auf. Später, genau genommen im Jahr 2003, „erwacht“ der ŠKODA „Tudor“ zu neuem Leben. Auf dem Genfer Automobil-Salon begeisterte die vom damaligen ŠKODA Designchef Thomas Ingenlath gezeichnete Studie „Tudor“ das Publikum. Das elegant gestreckte Coupé basierte auf dem ersten ŠKODA Superb und nahm das stolze Erbe der traditionsreichen Marke stilsicher auf.

ŠKODA Tudor Studie

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