Lifestyle Schloss Trieblitz: Von Casanova bis Goethe

Eine historische Reise durch das nordböhmische Städtchen Třebívlice mit Abstecher in die Königsstadt Litoměřice

Das ewig Weibliche zieht uns hinan: Mit der wohl berühmtesten Bewohnerin des tschechischen Städtchens Třebívlice musste der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe einst eine schmerzliche (Liebes-)Erfahrung machen. Doch nicht nur deshalb ist der nordböhmische Ort eine eine Reise wert.

Hier lebte Ulrike von Levetzow (1804-1899), Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) letzte Liebe, der Schriftsteller Karl May (1842-1912) erfreute sich in dieser Gegend einer Phase kreativen Schaffens – und der Frauenheld Giacomo Casanova (1725-1798) verlebte seine letzten Jahre in einem der einst prächtigsten Schlösser dieser Region. Die Rede ist von Nordböhmen, einem Landstrich voller Geschichte und Geschichten, der mancherorts noch fast unberührt wirkt. Der erste Abschnitt der vierteiligen Serie über Tschechiens Norden führt uns auf den Spuren von Goethes Muse nach Třebívlice (Deutsch: Trieblitz) im Südwesten des Böhmischen Mittelgebirges sowie ins etwa 25 Kilometer entfernte Elbestädtchen Litoměřice (Deutsch: Leitmeritz).

Třebívlice ist auf den ersten Blick eine typisch-ländliche, böhmische Gemeinde. Es gibt einen Krämer, eine Kneipe, eine Post, ein Kirchlein, dessen Glocke artig zur vollen Stunde schlägt – und einen einst adligen Landsitz, der zur Schule umfunktioniert wurde. Hier und dort bellt ein Hund, ansonsten ist es ruhig. Man würde angesichts dessen also wohl kaum vermuten, welch Liebesdrama sich hier im 19. Jahrhundert abspielte: Ging es doch um nichts weniger als die letzte große – und unerfüllte – Liebe Johann Wolfgang von Goethes.

In der „Marienbader Elegie“, seinem wohl schönsten Liebesgedicht, beweint der Poet hingebungsvoll den Verlust seiner jungen Geliebten. Doch warum Ulrike von Levetzow den Heiratsantrag des Dichterfürsten damals ausschlug, hat sie nie verraten. So ruht ihr Geheimnis bis heute in ihrem Grab auf dem Friedhof von Třebívlice. Die Bevölkerung konnte diese Entscheidung jedenfalls nicht daran hindern, ihre berühmte Tochter bis heute zu feiern – unter anderem in Gestalt eines Museums sowie ihrem Konterfei auf dem ortseigenen Bier „Baronka“ (Baronin).


Marienbader Elegie

Goethes Liebesdrama

Im Grunde genommen waren die Avancen Goethes von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Immerhin war der Dichter satte 55 Jahre älter als das junge Mädchen. Der damals 72-Jährige hatte sich bereits 1821 im westböhmischen Kurort Marienbad in die 17-Jährige verliebt, als diese mit ihrer Mutter Amalie von Levetzow (1788-1868) und ihren beiden Schwestern zur Sommerfrische im Kurbad weilte.

Immer größer wurden die Gefühle, die er für die junge Leipzigerin empfand. Über seinen Freund, den Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828), hielt er schließlich 1823 bei Ulrikes Mutter um die Hand seines geliebten Mädchens an. Allerdings wurde der Antrag höflich, aber bestimmt abgelehnt. Seine Trauer darüber verarbeitete er in der bereits erwähnten „Marienbader Elegie“.

„Keine Liebe war es nicht“, hat Ulrike Jahrzehnte später einmal geäußert. Doch mag man ihr das glauben? Immerhin hat sie nie geheiratet. Nach der Absage an den alternden Dichter war die Baronin 1824 nach Třebívlice gekommen und zog auf das Schloss ihres Stiefvaters Franz von Klebelsberg (1778-1857), welches sie später erbte. 75 Jahre lebte sie dort, bis zu ihrem Tode im Jahr 1899.

Für die Bewohner der 800-Seelen-Gemeinde ist sie bis heute lebendig. „Unsere Ulrike finden sie im Gartenhäuschen, hinten im Schlosspark“, sagt ein älterer Herr. Gemeint ist das kleine Museum, das hier 1999 eingerichtet wurde, denn im Schloss, welches sie einst bewohnte, ist die Grundschule des Ortes untergebracht.


Keine Liebe war es nicht

Fundgrube Gartenhäuschen

Die drei kleinen Räume im Gartenhäuschen sind eine Fundgrube der Erinnerungen an Ulrike von Levetzow: Bilder, Notizen, Stickereien, Fotos ihres Lieblingshundes „Trim“, sogar dessen Grabstein, Sofakissen, Wäsche und andere kleine Andenken an die wohltätige Frau, die nie Tschechisch lernte, aber sich um die Armen der Gegend kümmerte und bei den Einheimischen bis heute sehr beliebt ist, stapeln sich in den Vitrinen.

Sogar der besonders kostbare Brief mit ihrem letzten Willen ist zu sehen. Darin verfügte sie, dass ihre Korrespondenz mit Goethe nach ihrem Tode vernichtet und in einer Urne mit in ihr Grab gelegt werden sollte. „Genau wie sie es wünschte, ist es geschehen“, sagt Venuše Pazderová, die das Museum seit der Eröffnung leitet und sich die Levetzow-Forschung zum Hobby gemacht hat.

Auf Levetzows Grab auf dem nahen Friedhof an der Kirche liegen immer Blumen. „Die bringen nicht nur ihre Fans aus Deutschland, auch Einheimische verehren sie“, so Venuše Pazderová. „So hält sie unsere 800-Seelen-Gemeinde immer lebendig.“

Nach Ulrikes Tod hatte ihr Neffe Adalbert Baron Rauch den Besitz geerbt. Er veräußerte das Schloss 1901 an die Stadt Most/Brüx. Aus diesem Grund befindet sich bis heute ein Teil des Nachlasses von Ulrike von Levetzow im Regionalmuseum Most.


Ulrike von Levetzow

Abstecher nach Litoměřice

Auf dem Rückweg von Třebívlice sollte man unbedingt noch einen Abstecher nach Litoměřice machen. Rund 26.000 Menschen leben in der Elbestadt, die zudem auch Bischofssitz ist. Vom höchsten Punkt, der Stephanskathedrale, überblickt man den ganzen Ort; er liegt mitten in einem Landstrich, der wegen seiner Fruchtbarkeit den Beinamen „Böhmisches Paradies“ trägt.

Verlaufen kann man sich hier nicht. Denn früher oder später landet man stets auf dem Marktplatz, immerhin einem der größten in Böhmen. Gotik, Renaissance, Barock und Jugendstil reihen sich in einem Kunstepochen-Gemisch aneinander. Dieser Platz, mit Pestsäule und Brunnen, bildet mit seinen vielen Geschäften und Restaurants das Herz der Stadt. Geschäftsleute treffen hier auf Fahrrad-Touristen, Mütter mit Kleinkindern auf betagte Damen, die ihren Einkauf erledigen.

Wahrzeichen der Stadt ist der pompöse Kelch auf dem Dach des Bürgermeisterhauses. Hier befindet sich auch die Touristeninformation, in der es Infos über die aktuellen Ausstellungen der Nordböhmischen Galerie, das Weinmuseum oder zu geheimnisvollen Führungen durch die ­Gewölbe unter dem Marktplatz gibt.  


Böhmisches Paradies

Reise-Tipps Nordböhmen

Ulrike-von-Levetzow-Museum, Třebívlice, Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag, 9 bis 11 Uhr und 14 bis 17 Uhr. Anfahrt über Lovosice oder Most, Schnellstraße 15, bis zur Abfahrt Třebívlice.

Regionalmuseum Most (weitere Ausstellung von Ulrike von Levetzow), Most, Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 9 bis 17 Uhr sowie Samstag und Sonntag 13 bis 17 Uhr.

Touristeninformation in Litoměřice: Direkt auf dem Marktplatz (im Haus „Zum Kelch“), Öffnungszeiten: Mai bis September, täglich: 9 bis 18 Uhr, Oktober bis April, Montag bis Freitag: 9 bis 17 Uhr, Samstag 9 bis 12 Uhr. www.litomerice-info.cz

Perfekter Zwischenstopp

Entdecken Sie Nordböhmen während einer Reise in die Stadt Ústí nad Labem. Im 4-Sterne-Hotel Větruše, oberhalb von Elbe und Altstadt gelegen (Seilbahnverbindung), bieten wir exklusive Drei-Tages-Arrangements an (immer Samstag bis Montag). Termine ganzjährig auf Anfrage, bei eigener Anreise.

Das Pauschalangebot umfasst zwei Abendessen, Welcome-Drink, Seilbahnfahrt, freies Parken sowie den Eintritt ins ŠKODA Museum inklusive Werksbesichtigung (Montag vormittag). Preis: 124 Euro pro Person im Doppelzimmer, Einzelzimmerzuschlag 28 Euro. Die Reise kann mit den Prag-Angeboten unter www.kampf.net erweitert werden.

Details unter: www.kampf.net | Tel. 0 60 51-47 38 08 | skoda@kampf.net


Erstklassige Tradition

Artikel erstmalig erschienen im ŠKODA Kundenmagazin Extratour, Nr. 1/2016.

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