Lifestyle Schifffahrt, Ahoj!

Mit der Moldau im Flussbett entwickelt sich die Elbe auf dem Weg nach Norden zu einer belebten Wasserstraße für Ausflugsdampfer und Frachtschiffe

Das Donnern der Pauken verstummt. Der Hauptakteur in Bedřich Smetanas Komposition „Die Moldau“ hat Prag, das knapp 63 Kilometer vom ŠKODA Stammsitz Mladá Boleslav entfernt ist, hinter sich gelassen. Ab jetzt begleiten Streichinstrumente die Wellen bis zur Mündung in die Elbe. Die Stadt Mělník schaut zu, wie diese ihren aus Süden kommenden Schwesterfluss in sich aufnimmt. Auf dem Weg ins Elbsandsteingebirge bis nach Hřensko zeigt der nun stattliche Fluss eine faszinierende Vielfalt. Die zwischen Feldern, Weinbergen und Sandsteinen dahinfließende Elbe bleibt ein Naturerlebnis und wird Tschechiens wichtigster Wasserweg zum Meer.

Soeben noch gemächlich an den Weinhügeln von Mělník vorbei geplätschert, erreicht die Elbe nach 30 Kilometern Roudnice nad Labem. Die einstige Siedlung aus dem zwölften Jahrhundert ist heute ein beschauliches Städtchen mit knapp 13 000 Einwohnern. Am historischen Karlsplatz im Zentrum herrscht in den vielen kleinen Geschäften und Cafés ein buntes Treiben. Gegrüßt wird überall mit einem lässigen „Ahoj“. Mancher Besucher wundert sich über einen solch seemännischen Gruß im Binnenland Tschechien. Natürlich hat die Elbe hier ihre Wellen im Spiel.

Die Binnenschiffer brachten den Seemannsgruß über die Elbverbindung einst von Hamburg nach Böhmen. Nach dem Ersten Weltkrieg, mit der Gründung der Tschechoslowakei im Jahr 1918, etablierte sich das „Ahoj“ in aller Munde. Wenige Schritte vom Karlsplatz in Roudnice nad Labem entfernt erhebt sich das Schloss aus dem 17. Jahrhundert. Zu Zeiten des Eisernen Vorhangs als Militärakademie genutzt, kehrte es nach der samtenen Revolution wieder in den Besitz der Adelsfamilie Lobkowicz zurück.

Auf Betreiben des Fürsten Franz Joseph Maximilian Lobkowicz war auf dem Schloss im Jahr 1803 Ludwig van Beethovens 3. Sinfonie, bekannt als Eroica, uraufgeführt worden. Ein kulturelles Ereignis, auf das die Roudnitzer besonders stolz sind. Schon von weitem zu sehen, ragt aus der flachen Ebene bald eine markante Landmarke hervor: Der Říp, ein Basaltberg mit runder Kuppe, 459 Meter hoch. Von hier oben aus soll die Sagengestalt Urvater Čech vor 1400 Jahren die Ansiedlung Böhmens ausgerufen haben. Eine Legende, die auch in tschechischen Schulen behandelt wird, weshalb nicht selten Schülergruppen auf dem Kultberg anzutreffen sind. Der Aufstieg zum Kirchlein für den Heiligen Georg lohnt sich. Die im Jahr 1126 erbaute Rotunde ist eines der ältesten Gebäude in Tschechien.

Der Říp, ein Basaltberg mit runder Kuppe, 459 Meter hoch

Elbe trifft Eger

Zurück an der Elbe geht es durch flache Ackerlandschaften, vorbei an Dörfern mit bescheidenen Kirchtürmchen etwa 15 Kilometer weiter in Richtung Norden, nach Litoměřice. Das Städtchen mit seinen 26.000 Einwohnern ist Bischofssitz und liegt direkt am Zusammenfluss von Elbe und Ohře – auf Deutsch: Eger – am Fuße des Böhmischen Mittelgebirges. Der Stadtkern mit seinen Häusern im Stil der Gotik, des Barock und der Renaissance steht seit 1978 unter Denkmalschutz. Touristen schätzen die zahlreichen Einkehrmöglichkeiten und Läden, die feinen Weine und handgemachten Pralinen. Die Elberadler haben Litoměřice schon längst für sich entdeckt und tummeln sich bei gutem Wetter in den Restaurants auf dem Marktplatz. Die Stadtbesichtigung lohnt sich.

Malerische Gässchen führen zum gotischen Stadtturm. Von hier oben fällt der Blick auf die Bürgerhäuser, die ein Keller-Labyrinth miteinander verbindet. Immer wieder stößt der Besucher im Stadtkern auf den Namen Karel Hynek Mácha. Der tschechische Nationaldichter zog von Prag nach Litoměřice, weil er die Gegend an der Elbe so liebte. Noch bevor seine Möbel aus Prag eintrafen, starb er allerdings 1836 im Alter von nur 26 Jahren. Der schöne Elbblick aus Máchas Wohnung zeigt indes nicht immer nur das romantische Gesicht der Flusses. Oft genug mussten die Anrainer erleben, wie sich ihre Elbe in einen zornigen Strom verwandeln kann. So beim Hochwasser im vergangenen Jahr. Da zog die Elbe zum Beispiel auch den Litoměřicer Ausflugsdampfer „Porta Bohemica“ ins Verderben. Die Saison fiel ins Wasser. Ob der beschädigte Dampfer, der als Touristenattraktion fast fünf Jahre lang 55 000 Passagiere über die Elbe geschippert hatte, wieder die Anker lichtet, steht noch nicht fest.

Am Fuße des Böhmischen Mittelgebirges

Sehr gut ausgebaut präsentiert sich der Elbe-Radweg auf der Strecke von Mělník nach Děčín, kurz vor der tschechisch-deutschen Grenze. Die rund 100 Kilometer lange, meist asphaltierte Strecke führt unmittelbar am Elbufer entlang oder über Nebenstraßen mit wenig Verkehr. Kulturelle Höhepunkte der Radtour sind sicherlich die Panorama-Aussicht vom alten Wachturm in Roudnice, die Sakralbauten in Litoměřice oder die eindrucksvolle Schlossanlage in Děčín. Landschaftlich wird vor allem die Porta Bohemica in Erinnerung bleiben, wo die Elbe durch steile Berge hindurch ins böhmische Mittelgebirge eindringt. Hinter Roudnice können Radfahrer bei Nucnice mit der Fähre auf das linke Elbufer übersetzen, um in Terezín die Gedenkstätte Theresienstadt zu besuchen. Auf diesem Weg umfahren sie auch das unbefestigte Wegstück vor Litoměřice, auf Deutsch: Leitmeritz. Halbzeit!

Von hier sind es jetzt noch rund 25 Kilometer bis Ústí mit der das rechte Elbufer beherrschenden Burgruine Schreckenstein. Und von dort aus – immer am Elbufer entlang – noch einmal so weit bis nach Děčín. Die sehenswerte Stadt ist ein guter Ausgangspunkt für Abstecher ins Wandergebiet Böhmische Schweiz. Von Litoměřice aus sind es nur wenige Kilometer nach Terezín. Die im 18. Jahrhundert unter Kaiser Josef II. erbaute Festung mit dem deutschen Namen Theresienstadt diente den Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs als Konzentrationslager. Mehr als 150 000 Häftlinge waren hier eingesperrt; 35 000 von ihnen kamen in diesem KZ ums Leben. Heute ist dieser Ort eine Gedenkstätte.

Halbzeit bei der Burg Schreckenstein

Eintritt ins Mittelgebirge

Die Elbe fließt jetzt ins Mittelgebirge. Auf dem Weg ins 50 Kilometer flussabwärts gelegene Děčín – auf Deutsch: Tetschen – lohnt sich nach nur etwa fünf Kilometern ein Halt in Velké Žernoseky. In fast jedem Haus dieses Weindorfes wird selbst gekeltert. Weinbauern laden zur Verkostung in ihre Gaststuben ein. Ihre edlen Tropfen sind ihrer Ansicht nach „viel besser“ als der berühmte mährische Wein. Warum? „Wegen der Elbe!“, verrät ein Einheimischer. Die von Weinbergen dominierte Landschaft wird langsam von Waldgebieten abgelöst. Die Berge links und rechts der Elbe wachsen. Nach knapp 20 Kilometern sind die ersten Schornsteine von Ústí nad Labem zu sehen. Aussig an der Elbe, wie die Stadt mit ihren rund 95 000 Einwohnern auf Deutsch heißt, ist Bezirkshauptstadt und war bis nach dem Zweiten Weltkrieg überwiegend von deutschsprachiger Bevölkerung bewohnt.

In der heutigen nordböhmischen Industriemetropole wurde die Elbe einst Zeugin eines traurigen Kapitels deutsch-tschechischer Geschichte: Beim „Massaker von Aussig“ am 31. Juli 1945 fanden viele deutsche Zivilisten den Tod in der Elbe. Eine Gedenktafel erinnert an das Ereignis. Die Elbe brachte in Ústí nad Labem auch die Gedanken zweier Künstler in Fluss: Der Komponist Richard Wagner besuchte 1842 die Burg Schreckenstein, die als Vorlage für seine Oper „Tannhäuser“ diente. Ein paar Meter weiter im Stadtteil Brná schrieb Karl May in der Pension Herzig, die heute Pension Srdíčko heißt, in einem Zimmer mit Elbblick an seinem 1897 erschienenen Roman „Weihnacht“.

Ihre edlen Tropfen sind ihrer Ansicht nach 'viel besser'

Tor nach Hamburg

Nach Děčín sind es jetzt noch knapp 30 Kilometer. Große Schiffswerften säumen das Ufer der Stadt, in der Tschechiens wichtigster Elbehafen liegt. Das große Container-Terminal hat auch Anschluss an Schiene und Autobahn. Die meisten Schiffe, die Holz, Schüttgut oder Container über die Elbe in Richtung Hamburg bringen, haben in Děčín abgelegt. Ab hier starten auch die Touristendampfer der Gesellschaft „Labská plavební“ in Richtung Hřensko, Bad Schandau und Dresden. Den Fahrplan der Elbdampfer finden Touristen auf www.labskaplavebni.cz auch in deutscher Sprache. Der Unruhe des Hafens entkommen, ist die Dampferfahrt entlang des Nationalparks Böhmische Schweiz ein erholsamer Genuss. Wälder und urige Sandsteinfelsen begleiten uns bis zum Grenzort Hřensko. Nur ein paar Meter außerhalb des kleinen Ortes mit seinen 280 Bewohnern beginnt der Aufstieg zum Prebisch-Tor. Die mit 26,5 Metern größte natürliche Sandsteinbrücke Europas ist das Wahrzeichen des Nationalparks Böhmische Schweiz. In Hřensko sagen wir „Ahoj“. Hier beginnt der letzte Teil unserer Elbreise: nach Dresden.

Artikel erstmalig erschienen im ŠKODA Kundenmagazin Extratour, Nr. 3/2014.
Alle Fotos: Czech Tourism

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