Rückspiegel Puppenstars Spejbl und Hurvínek

Von wegen altmodisch! Die wohl bekanntesten inoffiziellen Botschafter Tschechiens schauen zurück auf die bewegte Geschichte von ŠKODA

Puppenspiel verzaubert. Davon konnten sich Fans dieses Genres bei der RTL-Castingshow "Puppenstars" überzeugen. Hier ließen internationale Akteure ihrer Fantasie freien Lauf. Figuren aller Art – von der simplen Sockenpuppe bis hin zu gigantischen Puppen-Konstruktionen – wurden zum Leben erweckt. Und wie sie sich dem Publikum und der Jury präsentierten, war der Fantasie der Menschen dahinter überlassen. Wer letztendlich auf dem Siegertreppchen landete und Preisgelder kassierte, entschied nicht zuletzt das begeisterte Studiopublikum.

Einmal mehr eroberte das bekannte tschechische Marionettenduo Spejbl und Hurvínek die Herzen der Zuschauer im Sturm. In den Dialogen zwischen Vater und Sohn fühlte sich jeder zurück in die eigene Kindheit versetzt. Durch ihr professionelles klassisches Spiel überzeugten die Prager Puppenspieler auch die Jury. Vater Spejbl – stets ein bisschen genervt vom vorlauten Sohn Hurvínek – hatte beim Finale sogar einen öffentlichen Nacktauftritt. Ob es sein erster war, ist nicht bekannt. Was blieb ihm auch anderes übrig?

Der listige Hurvinék hatte sich "Vattis" lange Hosen nebst Frack "ausgeborgt", um Freundin Manička zu beeindrucken. Das ist ihm gelungen. Ob es letztlich der öffentliche Auftritt des Vaters mit entblößter Lindenholzbrust war, der dem Marionettengespann einen dritten Platz bescherte? Auf jeden Fall haben sie sich das Preisgeld von 10.000 Euro erspielt und mit Sicherheit eine noch größere Fangemeinde.

Meilensteine wie am Schnürchen

Vor 10 Jahren sorgte bundesweit ein Trailer für beste Unterhaltung bei Besuchern von Kurzfilmfestivals. Die Idee der Verantwortlichen für Öffentlichkeitsarbeit bei ŠKODA AUTO Deutschland damals war, dem Publikum den tschechischen Autobauer statt simpler Automobilwerbung vielmehr durch die beiden bekannten Holzpuppen aus dem Prager Puppentheater unterhaltsam zu präsentieren. Immerhin gehören Hurvínek und Spejbl zu den bekanntesten Botschaftern der Tschechischen Republik. Wie am Schnürchen – ganz so, wie es sich für Marionetten gehört, lassen die beiden im Film schließlich fast 120 Jahre bewegte ŠKODA Unternehmensgeschichte Revue passieren. 

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"Jedes Filmprojekt ist ein kleines Abenteuer. Man muss allerdings schon ziemlich an die Sache glauben, um die Darstellung einer Firmengeschichte der Ausdruckskraft zweier Holzpuppen zu überlassen." Mit diesen Worten und einem Drehbuch im Gepäck hatte sich der Real- und Trickfilmer Wolfgang Scharff im August 2005 auf den Weg ins Prager Puppenmuseum gemacht, um seine beiden Hauptakteure kennen zu lernen. Pardon! Persönlich kennen zu lernen, muss es heißen. Denn am Ende ging es Wolfgang Scharff nicht anders wie seiner Regieassistentin Ulrike Feller und Kameramann Oliver Papst, die alle gar nicht mehr merkten, "dass die nur aus Holz sind."

Lebendig wie eh und je

Spejbl & Hurvínek sind so quicklebendig wie in den 1920er Jahren, als sie erstmals auf einer Amateurbühne in Pilsen aus der Sicht zweier Generationen über grundlegende Lebensfragen philosophierten. Unter den Fittichen von Helena Stachová, der Direktorin des Prager Puppentheaters, begriffen die beiden Figuren deshalb auch ruck zuck den Titel des Trailers: Meilensteine. Die Marke ŠKODA bloß zu repräsentieren, wäre ihnen jedoch viel zu langweilig gewesen. Vor allem das kecke Söhnchen Hurvínek wollte seine Nase natürlich lieber selbst tief in die ŠKODA Geschichte stecken. So sind die zwei dabei, wenn Männer in einer Stummfilmszene das Eisen schmieden, aus dem die Gründerväter des heutigen Unternehmens ŠKODA AUTO, Václav Laurin und Václav Klement, ihre ersten Fahrräder bauten.

Spejbl & Hurvínek

Verwegen sehen Vater und Sohn aus, wenn sie sich mit Rennfahrerbrillen plötzlich in den Pioniertagen des ŠKODA Motorsports wieder finden. Traurig wühlen sie in den Trümmern, in die der Zweite Weltkrieg das ŠKODA Werk in Mladá Boleslav gelegt hat. Und nachdenklich stehen sie anschließend vor dem Plakat mit Hammer und Sichel. Zwischen unzähligen Bühnenumbauten im Prager Puppentheater, wo Spejbl und Hurvínek mal im Rennautomodell sitzen, mal im Strom des Luftgebläses zappeln oder unverhofft einen Schluck Champagner von Matthias Kahles Siegesfeier im FABIA WRC abkriegen, geht’s raus an die frische Luft.

Action am Straßenrand

Das Drehbuch will jetzt Action am Straßenrand. Hurvínek wäre nicht Hurvínek, wenn er die Außenszenen nicht bequem auf sich zukommen ließe. Erstmal eine Verschnaufpause im Gras, bevor die Kameras anlaufen. "Meilensteine zieh'n vorbei, steig zu uns in Richtung Zukunft ein“, so klingt der von Steffen Conrad getextete Refrain zur Trailermusik des gebürtigen Tschechen Richard Kristen, während Papa Spejbl sich lässig an einen Siegerkranz von anno dazumal lehnt.

Ein FABIA und ein OCTAVIA zischen vorbei. Da wollen Vater und Sohn am liebsten mit trampen. Doch kein Auto hält an. Was tun? Na klar: Action! Die Kamera nimmt Spejbl ins Visier, als der das Thema "Meilensteine" wörtlich nimmt und – simply clever – einen solchen als Straßensperre heranzieht. Schon hält ein ŠKODA an. Und weiter geht's "Die Straße frei, der Horizont so weit", singt Klein Hurvínek mit der Stimme von Martin Klasek. Fünf Tage lang haben Spejbl & Hurvínek das ŠKODA Drehteam beschäftigt. Selbst in den Drehpausen hielten unsere beiden Holzköpfe ihre Puppenspieler auf Trab. Noch am Schneidetisch spürte Cutter Armin Riegel, wie sehr die Szenen leben: vom Charme der Puppen und von der Tradition, die Spejbl & Hurvínek mit ŠKODA verbindet.

Charakterkopf aus Lindenholz

Ein bisschen Starrköpfigkeit hält jung. Der lebende Beweis dafür ist Biedermann Spejbl. Die wohl berühmteste Marionette böhmischer Herkunft zählt immerhin 96 Lenze. Rüstig hält er sich auf den Beinen. Etwas wackelig mitunter. Aber jeder, der ihn schon einmal auf der Puppenbühne gesehen hat, weiß ja, woran das liegt. An den Fäden natürlich. Keineswegs am Alter! Herr Spejbl, Tschechiens größte Berühmtheit nach Moldau, Karlsbrücke und dem braven Soldaten Schwejk, reibt sich mit 96 Jahren noch immer an den Alltäglichkeiten des Lebens. So wie damals, als alles anfing.

Action!

Der Puppenspieler Josef Skupa hatte die Skizze gezeichnet. Der Holzschnitzer Karel Nosek aus Pilsen fertigte daraus im Jahr 1920 die Figur, die sich zu einer Marionette von Welt mauserte. Mit noblem Frack und weißen Handschuhen trat der biedere Zeitgenosse Spejbl seither beinahe in aller Welt auf und stellte dabei fest: Sein Unverständnis über modische Extravaganzen verstehen die Menschen in Japan ebenso wie die in Mexiko, Ägypten oder in den USA. Egal wo Spejbl spielt, auf jeder Puppenbühne erntet er den gleichen Lacherfolg, wenn er seinem Sohn Hurvínek mal wieder die Welt erklärt oder die Frage beantwortet: „Vattii, was iste eigentlisch die Liebäää?“

Dispute um den Geist der Zeit

In die witzigen und hintergründigen Dispute um den Geist der Zeit, den Spejbl und sein vorlauter Sohnemann charmant aus der Flasche lassen, mischen sich Hurvíneks Freundin Mánička und deren pedantische Großmutter Frau Kateřina ein. Zusammen sorgen sie für einen typischen Mix aus groteskem Humor und Satire. Die wichtigsten Strippenzieher des Puppenquartetts – den Hund Žeryk nicht zu vergessen – sind Martin Klašek und Helena Štáchová, die Direktorin des "Theaters Spejbl und Hurvínek" in Prag. Beide leihen allen Mitgliedern der Puppenfamilie ihre Stimme. Der eine seit 20, die andere seit nunmehr schon 46 Jahren. Gemeinsam führen sie und ihr Puppenspielerteam das Werk Josef Skupas fort.

Grotesker Humor & Satire

Der Pionier der professionellen Puppenbühne gründete im Jahr 1930 das Theater "Spejbl & Hurvínek" in Pilsen und baute es nach dem Zweiten Weltkrieg im Prager Stadtteil Dejvice wieder auf. Gemeinsam pflegen Martin Klašek und Helena Štáchová auch die hintergründige Gesellschaftskritik und den typischen Volkshumor, den die Prager Marionetten insbesondere Miloš Kirschner verdanken, dem 1996 verstorbenen Lebensgefährten Helena Štáchovás.

Artikel erstmalig erschienen im ŠKODA Kundenmagazin Extratour.

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Titelfoto: RTL / Stefan Gregorowius

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