Lifestyle Pilsen: Bäder und Biere

Abstecher in die Kurbäder der "Bierstadt": 2015 feierte sich Pilsen als Europäische Kulturhauptstadt.

Karlsbad (Karlovy Vary), Marienbad (Mariánské Lázně) und Franzensbad (Františkovy Lázně) sind wohl unbestritten die berühmtesten und größten Bäder Westböhmens. Nichtsdestotrotz hat die Gegend noch viel mehr „sprudelnde“ Erlebnisorte zu bieten, die zum Kuren oder zum Wellness-Genuss einladen – darunter die unweit von Marienbad gelegenen Kurorte Königswart (Lázně Kynžvart), Konstantinsbad (Konstantinovy Lázně) und Chodová Planá, wo auf besondere Weise gekurt wird. Schon der Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) wusste von Marienbad zu schwärmen, wo er sich gerne am nach flüssigem Rost schmeckenden Heilwasser labte. Dieses scheint im wahrsten Sinne des Wortes ein „Jungbrunnen“ für ihn gewesen zu sein – verliebte er sich doch mit knapp 72 Jahren prompt in die 17-jährige Ulrike von Lewetzow (1804-1899). Leider sollte das Ansinnen des alternden Goethe ungehört bleiben: Die Tochter aus gutem Hause lehnte den Heiratsantrag des betagten Dichters höflich ab, worauf der unglücklich Verliebte ihr seine berühmte „Marienbader Elegie“ widmete. Es ist das letzte Gedicht einer Trilogie, in der er von Ulrike Abschied nimmt. Eine Gedenkstätte erinnert noch heute an den berühmten Gast, der nach dem „Korb“ der späteren Stiftsdame nie mehr nach Marienbad zurückkehrte.

„Mir war es, als befänd ich mich in den nordamerikanischen Wäldern, wo man in drei Jahren eine Stadt baut“, hatte Goethe bei seinem zweiten Besuch in Marienbad 1822 gesagt. Zu jener Zeit war das Kurbad, gegründet von Karl Prokop Reitenberger (1769-1860), Abt des nahen Klosters Tepl, noch keine 15 Jahre alt – und stand am Beginn einer Erfolgsgeschichte: Der Kurtourismus entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten prächtig und zog bis zum Zweiten Weltkrieg jährlich zehntausende Kurgäste an. Das Heilbad, von dessen über 100 Quellen 40 allein in der Stadt entspringen, ist nach dem Fall des Eisernen Vorhangs mittlerweile wieder ein mondäner Kurort mit blitzenden Bäderarchitekturfassaden geworden. Die Rituale hingegen haben alle Diktaturen schadlos überstanden: Am Kreuzbrunnen trinken die Heilsuchenden heute wie einst tapfer ihr Wasser aus der Porzellan-Schnabeltasse; am besten – der Empfehlung gemäß – zwei Liter pro Tag.

Heilsuchende trinken Wasser aus Porzellan-Schnabeltassen

Längst gesellen sich neben die Kurgäste mit Stoffwechselproblemen auch viele Wellness-Gäste, die sich unter anderem an der üppigen Natur des Kaiserwaldes (Slavkovský Les) erfreuen oder sich auf Tschechiens ältestem Golfplatz (18-Loch-Platz) von 1905 ertüchtigen. Dieser war anlässlich des Besuches des britischen Königs Edvard VII (1841-1910) angelegt worden – der übrigens nicht der einzige royale Gast in Marienbad war: Auch Kaiser Franz Joseph I. (1830-1916) kurte einst im Kaiserwald.

Klein aber fein

Hätte es Marienbad nicht gegeben, wäre vielleicht auch das Kurbad Königswart nie entstanden. „Schuld“ daran ist der österreichische Staatskanzler Klemens Wenzel Lothar Fürst Metternich (1773-1859). Nachdem dieser von seinem Vater das Königswarter Schloss geschenkt bekommen hatte, ließ er es im Stil des Wiener Klassizismus umbauen; es muss wohl eine gewisse Eifersucht auf den Aufstieg Marienbads mit seinen illustren Gästen gewesen sein, die ihn dazu bewog, ein eigenes Kurbad zu errichten. Sein Privatarzt soll ihm beim Aufbau des Heilbades eine große Hilfe gewesen sein. Der Durchbruch des kleinen Bades mit seinen eher nüchternen Bauten gelang erst nach Metternichs Tod. Selbstverständlich wurde das erste Kurhaus nach dem großen Staatsmann benannt. Es lohnt sich, die für jene Gegend untypische klassizistische Schlossanlage sowie den zugehörigen Park zu besichtigen. Auch ein Schlückchen Heilwasser kann nicht schaden: Metternich, der seinen Lebensabend auf dem Schloss verbrachte, soll täglich davon getrunken haben – und wurde immerhin weit über 80 Jahre alt.

Ein Schlückchen Heilwasser kann nicht schaden

Klein aber fein geht es auch in Konstantinsbad zu. Fast verwunschen liegt der keine 1.000 Einwohner zählende Mini-Kurort zwischen Wäldern und Feldern am Rande des Bäderdreiecks. Im 16. Jahrhundert wurde hier noch von „Stinkquellen“ gesprochen … und tatsächlich weht bisweilen ein leichter Hauch von verfaulten Eiern durch den ruhigen Kurort, dessen schwefelhaltiges Wasser Herz- und Kreislauferkrankungen lindern soll. Um die „muffigen“ Quellen kämpften einst die ansässigen Bauern mit Konstantin Fürst Löwenstein, der Ländereien in der Umgebung besaß und nach dem das Bad benannt ist. Doch die „Aufregung“ hat sich längst gelegt – und so scheinen die Uhren hier bis heute etwas langsamer zu gehen. „Nur keine Eile“ heißt das Lebensmotto der kleinen Gemeinde. Für Ruhesuchende ist Konstantinsbad mit seinen kleinen Kurhäusern, gemütlichen Restaurants, Kaffeehäusern sowie der herrlichen Natur jedenfalls ein Genuss.

Nur keine Eile

Bierbadefreuden

Wellnessgenuss der besonderen Art erwartet die Gäste in Chodová Planá: Hier darf in Bier gebadet werden. Das würzig duftende Gemisch aus Mineralwasser, Badebier der Brauerei Chodovar, Hopfen und gehackten Kräutern beträgt angenehme 34 Grad und wird großzügig in Badewannen aufgegossen. Das Bierbad mit seinem karamellfarbigen Schaum sollte jedoch nicht länger als 20 Minuten andauern – im Anschluss empfiehlt sich eine Ruhepause. Fans schwören auf die positive Wirkung des Bades für Herz, Kreislauf und Haut. Die Traditionsbrauerei Chodovar, die heute rund 90.000 Hektoliter Bier jährlich produziert, wurde erstmals 1573 urkundlich erwähnt – ein kleines Brauerei-Museum erzählt die wechselhafte Geschichte der westböhmischen Kultbrauerei. Nach der Bier-Wellness entspannt man dann am besten im hauseigenen Hotel oder bei einem kühlen Chodovar-Lagerbier im Restaurant.


Artikel erstmalig erschienen im ŠKODA Kundenmagazin Extratour, Nr. 3/2015.

Bilder & Informationen über Tschechien: www.czechtourism.com



Bier-Wellness vom Feinsten

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