Köpfe Kommissar mit Kanten

Über Alltag, Berühmtheit und die Schauspielerei.

Im Rahmen eines außergewöhnlichen Erlebnistrips in die rumänischen Karpaten gibt Schauspieler Oliver Mommsen – den meisten Fernsehzuschauern als Kommissar Stedefreund im Bremer 'Tatort' bekannt – einen Einblick in sein Leben als Schauspieler.

Herr Mommsen, wie sieht Ihr Alltag aus und wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Am Set muss man sich extrem disziplinieren. Man darf nicht rumhampeln, man darf sich nicht schmutzig machen, da das Kostüm sauber bleiben muss, und das Make-up soll bitte schön auch nicht verschmiert werden. Darum liebe ich meine freien Tage, an denen muss ich mich bewegen. Da sagt mir niemand, was ich zu tun oder zu lassen habe. Und da die Kinder mittlerweile groß sind und ihren eigenen Film fahren, kann ich sagen: Heute gehe ich ins Schwimmbad und verbringe dann doch den Tag ganz anders. Diese Spontanität ist mir sehr wichtig. Ich treffe mich auch gern mit meinen Kumpels – zum Lachen, um Geschichten auszutauschen und auch um sich mal wieder gegenseitig zu spiegeln, damit keiner abhebt.

Wie wichtig ist Disziplin in Ihrem Job?
Schauspielen ist eine sehr disziplinierte Angelegenheit. Ständig sagt dir jemand, was zu tun ist. Du musst auf dich achten, du darfst beim Drehen im Sommer bitte nicht schwitzen und im Winter bitte nicht frieren. Überhaupt verlangt der Job eine hohe Konzentration. Daher habe ich nach meiner Arbeit sehr oft das Bedürfnis, einfach mal fünfe grade sein zu lassen und mit meinen Kumpels oder meiner Frau um die Häuser zu ziehen, Spaß zu haben und wirklich mal die Sau rauszulassen. Dann fällt mir das Disziplinieren auch wieder leicht.

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Wie gehen Sie mit der Berühmtheit um – ist sie Vor- oder Nachteil?

Ein klarer Vorteil meines Jobs: Ich bekomme oft ein extra Lächeln. Meine Rolle im Tatort und die Bekanntheit dadurch haben mir wirklich schöne Begegnungen mit Menschen beschert. Und wenn ich beim Drehen in einer fremden Stadt alleine bin, komme ich schnell mit Menschen ins Gespräch, obwohl ich auch immer noch sehr gut unerkannt durch einen Ort gehen kann. Wirkliche Nachteile gibt es eigentlich nicht, wohl aber Gefahren. Zum Beispiel, dass man sich zu wichtig nimmt. Denn eigentlich geht es ja nicht um mich, sondern um die Rollen, die ich spiele. Vielleicht formt sich bei manchen ein Bild von meinen Charakteren, mit dem ich persönlich nicht viel zu tun habe. Manche nehmen sich da für meinen Geschmack zu wichtig, aber ich hab ja kein heilendes Serum erfunden oder das Rad, sondern bin Schauspieler.


Ich hab kein heilendes Serum erfunden oder das Rad, sondern bin Schauspieler.

Verschmelzen Sie mit Ihren Rollen?
Verschmelzen ist ein großes Wort, viele Menschen glauben, man müsste mit der Rolle leben. Aber erst wenn meine Tatort-Kollegin Sabine Postel und ich uns sehen und nebeneinander im Kostüm stehen, ist Stedefreund für mich wirklich da. Natürlich ist die Rolle vorbereitet und es gibt Drehs, die mich besonders mitnehmen, aber ich bin eben nicht wirklich der Kommissar, sondern spiele ihn. Der Rest ist im Prinzip Handwerk. Das habe ich auf der Schauspielschule gelernt und bin froh, diesen Traumberuf ausüben zu dürfen!

Welche Rolle würden Sie in Zukunft gerne spielen?
Jetzt, wo mir mit dem Alter sozusagen der Babyspeck aus dem Gesicht fällt, darf ich kantigere Figuren spielen. Ich bin zwar auf der Bühne oder im Fernsehen wahnsinnig gern derjenige, der Optimismus verbreitet oder sich mit seinem Charme durch Situationen schlawinert, aber es ist auch schön, einmal etwas anderes zu spielen. Älter werden eröffnet Horizonte, dann hat man die Chance, vom Regisseur auch mal gegen den Strich gebügelt zu werden. Oliver Mommsen mal als mieser Bösewicht und damit die Zuschauer überraschen? Das finde ich spannend! Meine Lieblingsrolle hat früher Harrison Ford gespielt, jetzt wird sie oft durch Liam Neeson besetzt: der Normalo, der in eine Situation gerät, die ihm viel zu groß ist und die er irgendwie mit normalen Mitteln und einem gesunden Menschenverstand meistern muss. Das sind Rollen, die ich spannend finde. Kein Superheld mit Superkräften, sondern ein Mensch wie du und ich, der plötzlich zum Held werden muss.

Wie Mommsen den Trip in den Weiten Rumäniens gemeistert hat, lesen Sie hier.


Spontanität ist mir sehr wichtig.

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