Rückspiegel Horrorheld: ŠKODA FERAT Vampire RSR

Eigentlich sollte dieses Traumcoupé die Herzen erobern – doch Karriere machte der FERAT als blutsaugender "Autovampir"

Hat ŠKODA bereits vor mehr als 35 Jahren einen Motor erfunden, der ohne Benzin auskommt und die gesamte Antriebsenergie aus nachwachsenden Quellen an Bord bezieht? Irgendwie schon: Der futuristische ŠKODA FERAT nutzte für seinen Antrieb eine ganz besondere Art nachwachsender Energie: Er saugte Blut aus dem Gasfuß seiner Fahrerinnen und Fahrer – da erhält der Begriff "Saugmotor" gleich eine ganz neue Bedeutung...

Aber keine Angst: Dieses Gruselgefährt gab es nur auf der Kinoleinwand – im tschechischen Kultfilm "Der Autovampir". Mindestens ebenso spektakulär wie die fantastische Filmidee war der Hauptdarsteller. Denn unter der Maske des ŠKODA FERAT Vampire RSR verbarg sich ein aufregender Prototyp: das zweisitzige Coupé 110 Super Sport, das die ŠKODA Designer bereits 1972 präsentiert hatten.

Aber wie wurde aus dem lebensfrohen Freizeitfahrzeug ein blutsaugender Bösewicht? Hier kommt die Story des keilförmigen Coupés, des bizarren Kultfilms und der Wiederkehr des "Autovampir" im ŠKODA Museum am Stammsitz Mladá Boleslav.

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Als die Kreativabteilung von ŠKODA 1971 den Prototyp eines keilförmigen zweisitzigen Sportcoupés entwickelte, verkörperte der eine Leichtigkeit und Agilität, die perfekt in die schrillen 70er-Jahre passte. Auf der Brüsseler Autoshow 1972 staunten die Besucher über die weiße Flunder aus dem Osten. Mit dem ŠKODA 110 Super Sport hatten die Tschechen wieder einmal bewiesen, dass Ingenieurs- und Handwerkskunst auch hinter dem "Eisernen Vorhang" florierten.

Das Echo im Heimatland blieb dagegen eher skeptisch – vorerst. Das zweite Leben des ŠKODA 110 Super Sport begann, als der tschechoslowakische Filmemacher Juraj Hertz 1981 beschloss, die düstere Erzählung "Vampir Ltd." des tschechischen Science-Fiction-Autors Josef Nesvadba zu verfilmen. Eigentlich war Hertz auf Märchen- und Kinderfilme spezialisiert, doch die Story um ein blutsaugendes Auto als Gleichnis für die Schattenseiten der Konsumgesellschaft reizte ihn. Bei der Recherche für einen automobilen Hauptdarsteller traf er auf den kantigen Keil aus Kvasiny.

Mit dem 110 Super Sport hatten die ŠKODA Designer ein sensationelles Auto auf die Räder gestellt. Die technische Basis lieferte das Sportcoupé ŠKODA 110R. Über die solide Großserientechnik spannte sich eine flache, kantige Glasfaser-Karosserie, die den Vergleich mit zeitgenössischen italienischen Supersportwagen nicht zu scheuen brauchte. Selbst das Design des erst viele Jahre später entworfenen "Schauspielkollegen" DeLorean DMC-12 aus der Trilogie "Zurück in die Zukunft" nahm der ŠKODA Prototyp ein Stück weit vorweg.


ŠKODA 110 Super Sport

Highlight der mutigen Kreation war das einzigartige Türkonzept – besser gesagt: das Fehlen jeglicher Türen. Zum Einsteigen ließ sich der gesamte Vorderbau nach vorn hochklappen wie die Kanzel eines Kampfjets. Die Motorhaube öffnete sich nach hinten. Waren beide aufgeklappt, blieb von der Karosserie nur der Überrollbügel hinter den Sitzen stehen.

Seit Mitte der 1970er verstaubte die weiße Schönheit in den Lagerhallen des ŠKODA Museums am Stammsitz Mladá Boleslav – bis der Märchenregisseur sie wachküsste. Um Angst und Schrecken zu verbreiten, sah der ŠKODA 110 Super Sport jedoch zu freundlich aus. Für die Rolle des ŠKODA FERAT Vampire RSR wurde – mit kräftiger Unterstützung des Wolfsburger Spoiler-Spezialisten Kamei – die harmonische Frontpartie eckiger gestaltet und ein mächtiger Heckflügel aufgepflanzt. Da der FERAT ein Rallye-Auto darstellen sollte, erhielt der weiße Wirbelwind vier gigantische Zusatzscheinwerfer und wechselte sein Gewand: Im Film trägt der untote Renner eine nachtschwarze Lackierung mit blutroten Akzenten.

Apropos Blut: Im Film testet Rallye-Pilotin Luisa den ŠKODA FERAT und ruft wegen Schmerzen im Fuß den Notarzt Dr. Marek und dessen Rettungsassistentin Mima. Beide geraten in den Bann – und vielleicht auch in die Fänge – des fantastischen Fahrzeugs. Dagmar Veskrnová, die Darstellerin der Mima, heiratete später im echten Leben übrigens den tschechischen Staatspräsidenten Václav Havel.

Der teils trashige, teils kultige Inhalt des Films und seine zahlreichen cleveren Anspielungen auf andere Horrorklassiker machten ihn umgehend zu einem Kinohit in der Tschechoslowakei. Jahre später schaffte es "Der Autovampir" sogar ins öffentlich-rechtliche deutsche Fernsehen.


Der Autovampir

Im Sommer 2016 kehrte der Autovampir zurück: Zur Feier des 35. Geburtstag des tschechoslowakischen Kultfilms schickte ŠKODA bei der Rallye Bohemia sein Werksduo Jan Kopecký und Pavel Dresler in einem schwarz lackierten FABIA R5 "Vampire RSR" ins Rennen. Die beiden gewannen die Heim-Rallye von ŠKODA. Während die Rallye-Stars demnächst wieder im frischen Grün der Marke antreten, behielt der umgebaute ŠKODA 110 Super Sport sein schwarzes Filmkostüm – und auch der Name FERAT blieb dem Prototypen erhalten, der heute zu den Raritäten im ŠKODA Museum in Mladá Boleslav zählt. Dort darf ihm jeder ohne Sorgen um die eigenen Blutwerte nahekommen. Denn genau wie die allermeisten Horrordarsteller ist der FERAT in Wirklichkeit ein ganz Lieber.

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