Rückspiegel Große Klasse

Neue Ära in der Unternehmensgeschichte mit Modellen der Extraklasse: ŠKODA 645, ŠKODA 4R und ŠKODA 6R

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt: 1925 fusioniert der Maschinenbau-Gigant ŠKODA mit dem Fahrzeughersteller Laurin & Klement. Aufgabe des neuen Unternehmens war es nun, in der wirtschaftlich schwachen Nachkriegsgesellschaft kostengünstige und gleichzeitig attraktive Modelle auf den Markt zu bringen. Eine neue Ära in der Unternehmensgeschichte begann.

Als im April 1928 die Anlagen schließlich ihren Betrieb aufnahmen, wurden bei ŠKODA täglich bis zu 85 Autos gefertigt. Auch der ŠKODA 4R, der erstmals den heutigen Namen der Marke trug, wurde sprichwörtlich „am Fließband“ produziert. Im Herbst 1928 stellte der Automobilhersteller ihn auf dem Prager Autosalon der Öffentlichkeit vor.

Wegweisend einfach

Mit der Präsentation des ŠKODA 4R und seines Nachfolgemodells 6R von 1929 wurde der Wunsch des Unternehmens nach Vereinheitlichung und Typisierung nun endlich Wirklichkeit. Getriebe, Achsen, Steuerung und viele weitere Teile waren bei beiden Typen ebenso identisch wie die Abmessungen der flüssigkeitsgekühlten Motoren mit SV-Seitenventil-Steuerung und Ricardo-Verbrennungsraum. Letzterer beschreibt eine unsymmetrische Formgebung des Zylinders und lüftet das Geheimnis um die Namensgebung der Autos: Er symbolisiert das R in der Bezeichnung beider Typen.

Während der Vierzylinder 4R mit einem Hubraum von 1.944 cm3 auf eine Leistung von 32 PS kam, brachte es der größere Sechszylinder 6R auf ganze 50 PS bei einem Hubraum von 2.916 cm3.  Die Karosserien wurden nach individuellen Kundenwünschen gefertigt. In der Standard-Version war der 4R sowohl als Roadster,  Tudor  und  Limousine sowie als Phaeton in verschiedenen Ausführungen erhältlich und bewegte so das meist vermögende  Klientel  stilsicher durch die Straßen Prags.

Sein Nachfolger stand dem Vierzylinder in puncto Exklusivität in nichts nach. Allerdings belief sich die Produktionszahl der 6R-Limousine lediglich auf 322 Stück. Mit seinem Dreilitermotor gehörte der Sechszylinder der Luxusklasse an und war somit nur einem exklusiven Kundenkreis zugänglich. Um eine noch größere Zielgruppe zu erreichen, schritt ŠKODA mutig nach vorn – mit der Einführung des ŠKODA 645.

ŠKODA 645 - Premiere in Prag

Frühjahr 1929: Auf dem Prager Automobilsalon zelebriert unser Unternehmen die Premiere der neuen Modellserie und  präsentiert  stolz  das  neue  Oberklasse-Modell  645. Ähnlich wie die Lkw von ŠKODA bestand auch die Typenbezeichnung des Sechszylinders 645 aus drei Ziffern, in die seine Hauptparameter kodiert waren. Die erste Zahl verwies auf die Zylinderzahl im Motor, die folgenden zwei identifizierten die Nennleistung des Motors in PS. Ausgestattet  mit  einem  Leiterrahmen,  starren Achsen, mechanischen Bremsen, einem Frontmotor mit SV-Seitenventil-Steuerung und Hinterradantrieb verfügte der 645 über einen Motor mit einem Hubraum von 2.490 cm3. Trotz der drohenden Weltwirtschaftskrise wurden im Zeitraum von fünf Jahren ganze 758 Stück gebaut – für ein Modell dieser Klasse eine Rekordzahl. Der ŠKODA vom Typ 645 fuhr schon bald in Weltstädten wie Paris, Brüssel, Barcelona oder auch Johannesburg und Buenos Aires. 

Der ŠKODA 4R trug erstmals den heutigen Namen der Marke

Der Urtyp des Superb

Das Oberklasse-Modell 645 sah man aber nicht nur vor den Art-déco-Cafés und auf den Boulevards seiner Zeit. Unter den sechs verschiedenen Karosserievarianten gab es einige, die der rein praktischen Fortbewegung dienten. So wurde das Fahrgestell des 645 auch als Basis für kleine Nutzfahrzeuge eingesetzt und beispielsweise als Sanitätswagen angeboten. Eine Tradition, die vom ŠKODA Superb wenig später fortgeführt werden sollte.

Als dieser 1934 erstmals vorgestellt wurde, konnte noch niemand ahnen, dass er bis 1949 zum Spitzenmodell der Firma avancieren würde. Inspiriert vom Urtyp 645 markiert das „superbe“ Luxusmodell den Wandel hin zu einer Umstellung von Typen- auf Verkaufsbezeichnungen. Baulich basiert der Superb weitestgehend auf der zukunftsweisenden Konstruktion seines Vorgängers 645.

Eine echte Rarität

Wie variabel die Karosserien des 645 verwendet werden konnten, zeigt sich im spektakulären Bau des Prager Karosseriespezialisten Uhlik: Er setzte kurzerhand einen Bestattungswagenaufbau auf den mehr als fünf Meter langen Leiterrahmen und bestückte den Ladebereich mit aufwendigen Verzierungen sowie abgedunkelten Seitenscheiben. Ob der Spezial-645 jemals seiner Bestimmung entsprechend eingesetzt wurde, ist nicht überliefert. Ein optisches Highlight war er allemal.

Der aufsehenerregende Wagen begeisterte zuletzt das oldtimeraffine Publikum auf der Techno Classica 2008 und ist heute im Depositorium des ŠKODA Museums in Mladá Boleslav zu finden. Aber auch die primäre Version des 645 ist eine echte Rarität. Gerade mal sechs Original-Exemplare sind aktuell bekannt, was die stattliche Limousine zu einem seltenen und gesuchten Oldtimer macht. Wer auf einen alten ŠKODA 645 stößt, kann sich glücklich schätzen. Eine Dreißiger-Jahre-Limousine dieser Art bleibt sicher nicht allzu lange auf dem Markt.

Artikel erstmalig erschienen im ŠKODA Kundenmagazin Extratour, Nr. 2/2015.

ŠKODA 645 - Eine echte Rarität

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