Aktiv Fahrradkultur - Teil 2: Die Evolution des Velozipeds

60 Jahre nach der Laufradpremiere in Mannheim begann zur Weltausstellung 1867 in Paris die heiße Phase von 200 Jahren Fahrradkultur.

Eine wackelige Sache, auf die sich Karl von Drais da 1817 eingelassen hatte. Immerhin: Die Füße konnte er bei der Jungfernfahrt seines Laufrads in Mannheim noch am Boden halten. Doch das war gestern. Was Pierre Michaux 50 Jahre später bei der Weltausstellung 1867 in Paris vom Zweiradfreund verlangte, war geradezu artistisches Talent. Beim Velozipedieren hieß es nämlich ab sofort: Füße hoch!

Der Grund für das vermeintliche Risiko war die Tretkurbel. In der Mitte des Vorderrads platziert, erforderte sie Mut und Gleichgewichtssinn. Stoff für neuen Sportsgeist. Prompt fand am 8. Dezember 1867 in Paris das erste Radrennen der Welt statt. In die Pedale treten wurde Mode, verfeinert mit immer mehr technischem Know-how: Kugellager, Vollgummireifen auf Metallfelgen, Freilauf und – des besseren Abrollens wegen – einem größeren Vorderrad.

Der Radius der Vorderräder nahm von Jahr zu Jahr zu. Dank Stahlspeichen reichten sie bald bis an die Mütze des Fahrers. Das Hochrad, das trotz häufiger schwerer Stürze nun seine Hochzeit erlebte, wurde also nicht erfunden. „Es war das Produkt einer Weiterentwicklung“, wie es im Begleittext zur Ausstellung „2 Räder – 200 Jahre“ im Technoseum in Mannheim heißt. Ihr Besuch ist für jeden Fahrradfan ein Muss. 

Sattel eine Etage tiefer

Die nächste Innovation ließ nicht lange auf sich warten. Der Kettenantrieb, kombiniert mit dem Diamantrahmen, ließ den Sattel wieder eine Etage tiefer rutschen und ebnete dem Niederrad in seiner bis heute gültigen Grundform den Weg. Vorder- und Hinterräder glichen sich in ihrer Größe an. Eine grobe Unsportlichkeit! So empfanden es damals viele Hochradfans. Doch spätestens als mit Luft gefüllte Reifen mehr Tempo und Fahrkomfort brachten, eroberte der Newcomer mit dem kettengetriebenen Hinterrad die Straße.

Ein Alltagsgegenstand war das moderne Bicycle damit noch nicht. Das Gefährt kostete seinen Preis und befriedigte zunächst eher das Ego sportlicher junger Männer aus besseren Kreisen. Auch die Damenwelt wollte die neue Freiheit genießen. Damit der Rocksaum züchtig unten blieb, musste die Rahmenquerstange weichen – oder die Radfahrerinnen wechselten auf Knickerbockers. 1894 wurde in Wien der „Erste Wiener Damen-Bicycle-Club“ gegründet, kurz darauf trug bereits ein Drittel der Radfahrerinnen Hosen. Doch bis das Fahrrad zum Verkehrsmittel der Massen wird, muss erst ein neues Jahrhundert anbrechen.

An der Schwelle zum Jahr 1900 stoßen in Mladá Boleslav zwei junge Männer miteinander an: Václav Laurin und Václav Klement. Die späteren Gründerväter der Marke ŠKODA feierten das fünfjährige Jubiläum ihrer erfolgreichen Fahrradproduktion. Mit ihrer Motorcylette hatten sie soeben das erste motorisierte Modell hervorgebracht. Die Gründungsgeschichte ihrer Marke L&K erzählt die nächste Folge der extratouch Serie „200 Jahre Fahrradkultur“.

Titelbild: "Radlerinnen Picknick", Zeichnung von Emmanuel Bachrach-Barée für die „Allgemeine Illustrierte Zeitung“ von 1897/Bildquelle: Deutsches Fahrradmuseum Bad Brückenau


Auch die Damenwelt wollte die neue Freiheit genießen

 

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