Köpfe Eufemia - Heilige des Portweins

Wladimir Kaminer in Portugal: Unser Gastautor über die Kirche der Heiligen Eufemia

Meine längste Fahrt mit dem Auto im letzten Sommer war bis jetzt die von Berlin nach Portugal. Es war sehr heiß, wir fuhren mit dem ŠKODA Superb von einem Dorf zum nächsten, und auf einmal stießen wir auf eine kleine Kirche. Die Kirche der Heiligen Eufemia. Niemand von uns kannte diese Heilige.

Die Hitze war unerträglich, das Thermometer zeigte 41 Grad im Schatten. Die Türen der Kirche standen offen, man spürte merklich die kühle Luft, die nach außen strömte. Froh gestimmte Portugiesen versammelten sich gerade zur Sonntagsmesse. Die Kapelle befand sich in einem Portweinanbaugebiet, versteckt auf einem Berg. Wenn man runterschaute, sah man einen riesigen mit Weinreben bedeckten Krater, die wie Soldaten auf einem Platz in Reihen aufgestellt waren.

Wir kamen mit ein paar Einheimischen ins Gespräch. Ihre Auskünfte über die heilige Eufemia, obwohl etwas widersprüchlich, haben uns schwer beeindruckt. Die Heilige Eufemia war angeblich die Tochter eines wohlhabenden römischen Patriziers. Ihr Vater wollte sie unbedingt gewinnbringend verheiraten, sie hatte sich aber für immer dem Christentum verschrieben und wollte Jesus treu bleiben. Gleichzeitig brachte sie neun Zwillingstöchter auf die Welt, was im Mittelalter als amoralisch galt. Infolgedessen hatte der Vater von Eufemia einen schlechten Tag, er warf seine Tochter im Zorn wilden Löwen zum Fraß vor.

Doch die Löwen waren bereits konvertiert - sie hatten sich ebenfalls fürs Christentum entschieden - und leckten Eufemia die Füße. Später wurde sie heiliggesprochen, es wurde ihr zu Ehren ein großartiger Portwein "Eufemia" genannt, der im Jahr 2000 eine goldene Medaille auf einer wichtigen Portweinmesse bekam. Eufemia hatte Menschen von unheilbaren Krankheiten geheilt. Der Portwein würde ebenfalls gesundheitsfördernd wirken, erzählten uns die Einheimischen.

Die katholischen Sonntagsmessen in Portweinanbaugebieten sind kurz und knackig. Das ganze Fest dauerte exakt 25 Minuten. Der Priester redete von der Hitze, der Krise und dem fehlendem Enthusiasmus der Glaubensbrüder. Ja, sagte er, es ist sehr heiß draußen, die Hitze ist unerträglich. In dieser schwierigen Zeit denken wir an Jesus. Als er durch die Wüste ging, war die Hitze noch viel schlimmer. Er hat sich trotzdem nicht von seinem Ziel ablenken lassen. Die Wirtschaftskrise macht uns zu schaffen, predigte der Priester weiter.

Unsere Politiker sind Nieten, unsere Reichen verschanzen sich mit ihrem Reichtum, unsere Jugend verlässt das Land. Nur Jesus kann uns helfen. Er lehrt uns, dass irdischer Reichtum nur eine Last für die Seele ist. Trotz aller Schwierigkeiten müssen wir mit Enthusiasmus den Weg gehen, den uns Jesus gezeigt hat. Amen, sagte der Priester und stellte eine Portweinflasche mit einem Glas vor sich auf den Tisch. Die Portweinarbeiter standen auf und bildeten eine Schlange vor der Flasche. Wir verließen die Kirche und setzten uns draußen in den Schatten.

Es durften ja sowieso nur diejenigen, die gebeichtet hatten, Oblaten essen und mittrinken. Unsere Freundin, eine Katholikin, erzählte, als Kind hätte sie sich auch darüber gewundert. In ihrer Vorstellung bestand die Oblate aus Teilen Gottes, die ihm schnell nachwachsen würden – aus seinen Haaren und Nägeln. Sonst hätten doch die Millionen Gläubige ihren Gott sehr schnell aufgegessen. Ihr russischer Freund, der Atheist, erzählte, in Russland seien in der letzten Zeit viele orthodoxe Christen fanatisch geworden. Er war mehrmals verbal angegriffen worden, als er in einem T-Shirt mit Aufschrift "Es gibt keinen Gott" durch die Hauptstadt lief.

Wünsch Dir was!

Wir fanden eine Übernachtungsmöglichkeit in einem kleinen Dorf in der Nähe des Kraters. Nach einem bäuerlichen Abendessen ging ich auf die Straße, um eine zu rauchen. Die Hitze hatte nachgelassen, unzählige Sterne leuchteten über dem Krater. Zwischen den Sternen direkt über mir hing Gott. Er hatte sehr lange Haare und Fingernägel, eine Flasche Portwein in der Hand und ein T-Shirt mit der Aufschrift "Mich gibt es nicht" an. "Wünsch Dir was!" rief er mir von oben zu.

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