Lifestyle Dig, Dag, Digedag

Kult-Comic

Mit Piraten in die Südsee reisen oder einfach einmal die Römer besuchen – wer träumt nicht von großen Abenteuern und tollen Reisen, weit weg von Alltag und Schule? Die Kinder in der damaligen DDR jedenfalls liebten die Mosaik-Comics mit den drei „Digedag“-Kobolden und dem etwas tollpatschigen, aber liebenswerten „Ritter Runkel von Rübenstein“. 20 Jahre lang, von 1955 bis 1975, begeisterten deren Abenteuer junge Fans in der DDR.

Erfunden hat die Comic-Helden Hannes Hegen (1925-2014), der eigentlich Johannes Hegenbarth hieß. Er stammte aus dem tschechischen Česká Kamenice. In dieser Gegend, am Rande der Böhmischen Schweiz und an den Ausläufern des Lausitzer Gebirges, sollen bis heute Kobolde und andere eigenwillige Wesen ihr Zuhause haben. Hannes Hegen ist mit ihnen aufgewachsen – die ideale Voraussetzung für seine vielen wunderbaren erzählten und gezeichneten Geschichten aus der Fantasiewelt.

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Eure Eltern und Großeltern werden sich bestimmt noch daran erinnern: Kaum war das neue Mosaik ausgeliefert, begann der große Wettlauf zum Zeitungskiosk. Die neuesten Geschichten von den „Digedags“ zu ergattern, war schon ein kleines Abenteuer für sich. Obwohl 660.000 Stück pro Ausgabe gedruckt wurden, reichte das nie für alle Mosaik-Fans. Weil jedoch in der DDR Papiermangel herrschte, konnte die Druckauflage nicht einfach erhöht werden.


Das ewige „ticktack“ seiner Wanduhr hatte ihn aufhorchen lassen.

Hannes Hegen war seit 1949 für verschiedene Zeitschriften als Karikaturenzeichner tätig. Irgendwann wollte er jedoch keine Auftragsarbeiten mehr ausführen, sondern aus den vielen Bildern und Geschichten, die er in seinem Kopf mit sich trug, lieber eigene Comics entwerfen. Die Namen „Dig“, „Dag“ und „Digedag“ für seine drei Kobold-Helden fielen ihm beim Zeichnen der Figuren in seiner Ost-Berliner Wohnung selbst ein. Das ewige „ticktack“ seiner Wanduhr hatte ihn aufhorchen lassen. Weil ihm das aber zu hart klang, machte er daraus „Dig“ und „Dag“. „Digedag“ ergab sich dann wie von selbst.

Comics aus der „Spinnstube“

Den Verlag Neues Leben konnte er schließlich von der Idee einer „Bilderzeitschrift“ überzeugen. Das war gar nicht so einfach - galten Comics in der DDR doch als dekadent und für Kinder ungeeignet. Als die Hefte aufgrund der großen Nachfrage ab 1957 monatlich erschienen, brauchte Hannes Hegen Unterstützung. Bis zu zwölf Zeichner und Texter auf einmal erstellten nun jeden Monat 24 Seiten. „Spinnstube“ nannte Hegen die Zusammenkünfte mit seinen Mitarbeitern, bei denen die Geschichten der Comic-Helden für die nächsten Ausgaben weitergesponnen wurden. Auch Hegens Ehefrau arbeitete im Mosaik-Atelier in Berlin-Karlshorst mit.

Wahrscheinlich hätte Hannes Hegen sein Mosaik noch viel länger als nur 20 Jahre herausgegeben. Doch das strenge Regime der DDR beobachtete ihn und seine freiheitsliebenden Comic-Helden, die die Welt bereisten, sehr kritisch. 1975 bat Hannes Hegen den Verlag Junge Welt, der seit 1959 die Mosaik-Hefte herausgab, nur noch sechs Ausgaben im Jahr zu produzieren; diese Chance nutzten die Verleger und kündigten dem Vater der „Digedags“ nach 223 Ausgaben und 5.384 Seiten die Zusammenarbeit. Dennoch erschienen weiterhin Comics unter dem Titel Mosaik.

Die Mosaik-Hefte von Hannes Hegen wurden zum Kult. Schon zu DDR-Zeiten gab es passionierte Sammler; bis heute werden Einzelausgaben für viel Geld gehandelt. Seit den 1990er-Jahren werden Hegens Geschichten wieder nachgedruckt. Der Vater der „Digedags“ ist im November 2014, in einem Altersheim in Berlin gestorben. Zum Glück haben seine kleinen Helden überlebt.

Artikel erstmalig erschienen im ŠKODA Kundenmagazin Extratour, Nr. 1/2015.


Die Mosaik-Hefte von Hannes Hegen wurden zum Kult

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