Köpfe Der Dreh der Körbe an der Ostsee

In seiner extratouch Kolumne analysiert Wladimir Kaminer dieses Mal die typischen Ostsee-Touristen

Überall auf der Welt sehnen sich Menschen nach besserem Wetter. Im Winter suchen sie nach wärmeren Plätzchen, im Sommer blättern sie die Reisekataloge durch, um ein paar schattige Orte zu finden. Nur Deutschland ist eine Ausnahme, denn hier gibt es eine Menge beliebter Kurorte, bei denen das Wetter überhaupt keine Rolle spielt. Ich meine die an der Ostsee.

Ich fahre jedes Jahr mit meinem ŠKODA Superb dorthin. Das Wetter an der Ostsee ändert sich alle paar Minuten und spielt mit Urlaubern gern kleine hinterhältige Spiele. Kaum ziehen sie sich aus, bedecken Wolken den hellblauen Himmel und es beginnt zu regnen. Ziehen sich die Urlauber wieder an und verlassen den Strand, kommt sofort die Sonne wieder. Kehren sie zurück, verschwindet sie erneut. Viele Urlauber an der Ostsee sind merkwürdig angezogen, viele laufen in Badeanzügen, Gummistiefeln, warmen Mänteln und mit Regenschirmen herum, gut ausgestattet für jede erdenkliche Wetterlage.

Alle warmen Sportjacken, die ich im Kofferraum herumfahre, wurden an kalten Abenden an der Ostsee gekauft. Es ist leicht, sich über Ostseetouristen lustig zu machen. Seien es die Radfahrer, die verzweifelt versuchen, im Sand gegen den Wind vorwärts zu kommen. Oder ganzkörperlich mit Sonnencreme eingeschmierte Großstädter, die unter dicken grauen Wolken zittern und leiden. Die meisten sitzen hier in den Körben am Strand. Die Körbe sind schwer genug, um gegen jede Windstärke zu bestehen. Sie schützen vor Sonne und Regen.

Unklar bleibt nur, wozu die Menschen in den Körben eigentlich diese lange Reise auf sich genommen haben. Sie hätten stattdessen den Korb gleich bei sich zu Hause vor dem Fernseher aufstellen können. Wegen des Meeresblicks vielleicht, wegen der Schreie der Möwen und dem einmaligen Lichtschauspiel, das sich jeden Abend am Horizont ereignet.

Die Ostseeurlauber teilen sich in zwei Gruppen. Die nicht eingeweihten Optimisten und die unaufgeregten Nachdenker. Die Optimisten sind ständig bemüht, ihren Urlaub zu verbessern. Hektisch laufen sie der Sonne hinterher, im Hotel schauen sie laufend aus dem Fenster und zählen Wolken, am Strand drehen sie ihre Körbe wie verrückt in günstige Position. Für solch ungeduldige Leute hat man an den Körben links und rechts spezielle Halter befestigt, damit die Optimisten ihre Gier nach Veränderung stillen können.

Manche drehen die Körbe gegen den Uhrzeigersinn, manche in die entgegengesetzte Richtung, in der Hoffnung einmal einen solchen richtigen Winkel zu finden, bei dem sie keinen Wind und keinen Sand mehr ins Gesicht bekommen, dafür aber einen tollen Blick aufs Meer haben. Nach zwei Stunden Dreharbeit gehen sie völlig müde und erschöpft. Ihre Bemühungen hinterlassen große Kratzer im Sand, die jedoch vom Wind und Regen schnell wieder geglättet werden. Alles bleibt wie immer.

Optimisten und Nachdenker

Die unaufgeregten Ostseegenießer, einmal in den Korb geplumpst, bleiben dort in der gleichen Pose sitzen, bis es dunkel wird. Sie haben keine Hoffnungen, keine Erwartungen und keine Wünsche. Sie wissen, jedes Wetter ist ein Segen der Natur, Körbe drehen ist blöd, das Bessere ist der Feind des Guten und wer lange genug auf die Wellen schaut und den Möwen zuhört, wird mit Sicherheit auch die Sonne sehen.

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