Aktiv Benzin im Blut: Der ŠKODA FABIA R5

Martin Hrdlička und Michal Hrabánek über den FABIA R5 Motor und den Enthusiasmus von Menschen, die Benzin im Blut haben

Vor rund einem Jahr wurde der sehr erfolgreiche FABIA Super 2000 durch den neuen FABIA R5 ersetzt. Das neue FIA-Reglement zwang ŠKODA, ein fast völlig neues Fahrzeug zu entwickeln. Eine der neuen Anforderungen war ein 1,6-Liter-Turbolader-Motor – eine bedeutende Änderung gegenüber dem Zweiliter-Saugmotor des FABIA Super 2000. Martin Hrdlička, Leiter Fahrwerk- und Aggregatentwicklung, und Motorsportchef Michal Hrabánek blicken auf die Entwicklung des neuen Motors zurück.

Wann haben Sie mit der Entwicklung des neuen Motors für den FABIA R5 begonnen und wer war daran beteiligt?
MICHAL HRABÁNEK: Die Arbeiten für den Motor begannen schon vor der Fahrzeugentwicklung. Zuerst haben wir uns 2012 mit der FIA – die im Begriff war, das technische Reglement zu ändern – getroffen. Die ursprünglichen Pläne hätten es uns nicht erlaubt, in der R5 Kategorie anzutreten: Im Volkswagen Konzern gibt es keinen entsprechenden Motor. Dank der Bemühungen wurde das Reglement so angepasst, dass wir einen entsprechenden Motor entwickeln konnten. Nach diversen Analysen grenzten wir die Wahl ein auf den EA 211 1.4, den EA 888 EVO2 1.8 und den EA 888 Gen3 basic 1.8, der für den chinesischen Markt konzipiert war. Wir bildeten ein Experten-Team bei ŠKODA AUTO und mit den Entwicklern von AUDI, Volkswagen, AHM Győr und Shanghai Volkswagen.

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Auf welchen Motor fiel die Wahl letzten Endes? Und was wurde daran geändert?

MARTIN HRDLIČKA: Wir entschieden uns für den EA 888 Gen3 basic 1.8 (132 kW). Im Vergleich zur Serie wurde der Federweg verkürzt, sodass wir den Kurbelmechanismus neu entwickeln mussten, die Brennkammer, die Ventilsteuerung und die Kühlwasserpumpe. Auch Luftein- und -auslass, Antriebssteuerung und Turbolader haben wir völlig neu erschaffen.

Was war das Schwierigste?
MARTIN HRDLIČKA: Der Motor, den wir umzubauen begannen, war noch nicht in Serie. Die Entwicklung wurde also an etwas vorgenommen, das weiterhin Änderungen unterworfen war, und dessen Produktion in Shanghai erst noch bevorstand. Die Kommunikation mit unseren chinesischen Partnern war hochprofessionell. Das hat potenzielle Probleme, wie etwa drohende Sprachbarrieren, minimiert.

FIA-Reglements bedeuten für Rallyefahrzeuge eine Vielzahl von Einschränkungen. Welche der Regeln war am schwierigsten einzuhalten?
MICHAL HRABÁNEK: Das FIA-Reglement limitiert den absoluten Ladedruck (der das Drehmoment bestimmt) auf 2,5 bar und verlangt eine 32 mm Luftdurchlassbegrenzung im Verdichtereinlauf (der die Motorkraft bestimmt). Der Fokus der Entwicklungsarbeit lag deshalb darauf, die Motoreffizienz so weit wie möglich zu steigern. Schwerpunkte waren die Gemischaufbereitung und der Verbrennungsvorgang. Eine der großen Einschränkungen im Vergleich zum S2000 war, dass viele Motorkomponenten aus der Serienproduktion kommen mussten, also nicht speziell für den R5 Motor gefertigt waren.

Können Sie in einfachen Worten den Unterschied zwischen diesem Motor und einem anderen, der in normalen Autos verwendet wird, beschreiben?
MARTIN HRDLIČKA: Über die zuvor genannten Unterschiede hinaus ist das anspruchsvolle TSI-System erwähnenswert, das komplett auf Komponenten aus der Serienproduktion basiert. Der Motor ist für maximale Belastung optimiert, er muss alle 2.000 Kilometer inspiziert werden. Das sind 800 Kilometer mehr als beim S2000 Motor.

Michal Hrabánek

Wie stark war die Einschränkung durch die Regel, ausschließlich sequenzielle Fünfganggetriebe zu verwenden?
MICHAL HRABÁNEK: Der Grund für diese Regel liegt in dem Bestreben der FIA, die Anschaffungs- und Betriebskosten der Fahrzeuge zu senken. Um ehrlich zu sein, betrachten wir diese Entscheidung als Einschränkung, sehen aber auch einige positive Aspekte. Der Preis ist einer. Fünf statt sechs Gänge bedeuten aber auch ein kleineres Getriebe, das sich leichter im Motorraum unterbringen lässt. Das wiederum heißt: weniger Gewicht. Der Motor des FABIA R5 verfügt über eine hohe Drehzahlrange, so haben wir weniger Gangwechsel als beim S2000 und eine höhere Motorleistung.

Der Motor hat einen 4x4-Antrieb. Inwieweit basiert dieser auf dem Allradantrieb aus der ŠKODA Serienproduktion und was haben Sie geändert?
MARTIN HRDLIČKA: Das Reglement der R5 Kategorie verlangt einen Getriebe- und einen Hinterachsantrieb, die sich von Serienprodukten unterscheiden. Außerdem mussten wir Komponenten finden, die wesentlich höheren Temperaturen standhalten als die aus der Serie. Deshalb haben wir das britische Unternehmen XTRAC angesprochen, das ein speziell für die R5 Kategorie entwickeltes Antriebssystem lieferte. Der im FABIA verwendete 4x4-Antrieb basiert also nicht auf der Serienproduktion.

Wenn Sie auf die Entwicklung des Motors zurückblicken, was sind Ihre besten Erinnerungen?
MARTIN HRDLIČKA: Die kreative Arbeit in einem jungen Team, der Enthusiasmus der Menschen, die Benzin im Blut haben, und die Chance, einen völlig neuen Rallye-Motor mit zu entwickeln. Das wäre ohne die enge Zusammenarbeit unserer Ressorts nicht möglich gewesen.

FABIA R5 Designskizze

ŠKODA Motorsport International

Weltweit fährt ŠKODA derzeit Rallye-Doppelsiege ein. Anfang Mai gewannen Gaurav Gill/Glenn MacNeall (IND/AUS) vom Team ŠKODA MRF die FIA Asien-Pazifik-Rallye-Meisterschaft (APRC), ihnen dicht auf den Fersen: Fabian Kreim/Frank Christian aus Deutschland. Am 22. Mai erlangten die Schweden Pontus Tidemand/Jonas Andersson den ersten Saisonsieg in der FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC 2), Platz 2 belegte das Kundenteam Nicolás Fuchs/Fernando Mussano (PE/PE). Eine Woche später stiegen im ŠKODA Heimatland Tschechien zwei Werksteams auf das Siegertreppchen der Rallye Český Krumlov. Ganz oben standen die Vorjahressieger Jan Kopecký/Pavel Dresler, gefolgt von Tidemand/Andersson. In der Punktetabelle der Deutschen Rallye-Meisterschaft (DRM) steht das ŠKODA Team Kreim/Christian derzeit auf Platz 2.

Auf Erfolgskurs

Rallye-Termine 2016

für Fabian Kreim/Frank Christian:


INTERNATIONAL

18. – 21. August ADAC Rallye Deutschland (WRC 2)
24. – 25. September Rallye Hokkaido – Japan (APRC)
29. – 30. Oktober Malaysian Rally (APRC)

10. – 11. Dezember Rally of India (APRC)

DEUTSCHE RALLYE MEISTERSCHAFT (DRM)
9. – 10. September Rallye Niedersachsen

30. September – 1. Oktober Rallye Baden-Württemberg
21. – 22. Dezember 3-Städte-Rallye, DRM-Finale

Dreamteam

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Artikel erstmalig erschienen im ŠKODA Kundenmagazin extratour, Nr. 2/2016.

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