Rückspiegel 40 Jahre ŠKODA RS

Ein flottes Kürzel

Ein zweitüriger Sportler trug bei ŠKODA im Jahr 1974 erstmals die Buchstaben RS im Namen. Das Kürzel auf berühmten Rennwagen wie dem 130 RS kennzeichnet bis heute alle Fahrzeuge der Marke mit sportlichen Ambitionen.

Einen neuen Personenwagen-Typ bauen. In den 1970er Jahren war das bei ŠKODA nur eine Vision. Die Kreativität der Ingenieure und Techniker in Mladá Boleslav suchte sich deshalb ein anderes Ventil: den Motorsport. Vor nunmehr 40 Jahren präsentierten sie den ersten Rennwagen mit einem Kürzel für Rallyesport: den ŠKODA 200 RS.

Die Konstrukteure spendierten dem Wagen außer dem kräftigen Zwei-Liter-Motor mit oben liegender Nockenwelle ein verbessertes Fahrwerk mit Längslenker-Hinterachse und ein Getriebe von Porsche. Ein spektakuläres Rennfahrzeug! Im Jahr 1974 feierte es in Tschechien sein Debüt in der Kategorie B5, vergleichbar mit der FIA Klasse 4 (Spezial-GT). Endlich ein Wagen, der es mit dem brillanten Vladimír Hubáček und dessen Renault Alpine aufnehmen konnte. Die tschechische Rallyelegende hatte bis dato praktisch alle Siege auf heimischen Rallyepisten abonniert. Ein Dorn im Auge der ŠKODA Ingenieure.

Ambitionen ohne Grenzen

Nun aber hatten sie mit dem 200 RS einen ebenbürtigen Gegner an den Start gebracht. Bis dato aber nur für nationale Rennen. In der Entwicklungsabteilung reifte deshalb die Entscheidung zum Bau eines Sportwagens, der auch international für Furore sorgen würde: der ŠKODA 130 RS. Den „Porsche des Ostens“, wie der 130 RS zu Zeiten des kalten Krieges gern genannt wurde, stellten die Techniker in Mladá Boleslav Mitte 1975 auf die Räder. Das Coupé war für künftige Einsätze im Rallye- und Rundstreckensport getrimmt.


Porsche des Ostens

Um Gewicht zu sparen, erhielt der 130 RS viel Aluminium: das Dach, die Türbleche und die vordere Haube. Die Motorhaube und die weiter ausgestellten Kotflügel waren aus glasfaserverstärktem Kunststoff handgetupft. Die hinteren Dreiecksfenster bestanden aus Kunststoff, die Seitenfenster hatten ein Schiebe-Guckloch. Um die Hubraumgrenze der 1,3-Liter-Klasse optimal zu nutzen, wurde der Block auf 1.289 ccm aufgebohrt. Außerdem erhielt der Motor einen neuen Zylinderkopf mit acht Kanälen. Italienische Weber-Doppelvergaser fütterten den Vierzylinder mit dem richtigen Benzin-Luft-Gemisch. Die Ölversorgung wurde auf Trockensumpf-Schmierung umgestellt. Eine an Längslenkern geführte Hinterachse brachte die 140 PS Motorleistung auf die Piste.


Aus glasfaserverstärktem Kunststoff handgetupft.

Windige Rechenexempel

Bevor der ŠKODA 130 RS jedoch auf die Rennpisten im Ausland geschickt werden konnte, musste er eine der Fahrzeugklasse entsprechende Homologation bestehen. Voraussetzung dafür: eine Serie von 1.000 innerhalb eines Jahres produzierten Fahrzeugen. Der Weltautomobilverband FIA, zuständig für die Freigabe, delegierte Paul Frère zur Prüfung in die Tschechoslowakei. Überaus freundlich, der Empfang des ehemaligen Rennfahrers. Seine Gastgeber zeigten ihm sämtliche Sehenswürdigkeiten der Stadt Prag, nur leider die vorgeschriebene Anzahl an Fahrzeugen nicht.
Die findigen Tschechen argumentierten, dass der Wagen schließlich vom 110 R abstamme, der ja in ausreichender Menge gebaut worden war.

Das Aggregat des 130 RS wiederum hätte seinen Ursprung im Modell 120 S. Auch das stimmte. Der Pferdefuß dabei: Dieses Modell war ebenfalls nicht in der erforderlichen Menge vom Band gerollt. Lediglich 100 Fahrzeuge vom Typ 120 hatten das Werk verlassen; 50 davon in Richtung Innenministerium für die tschechoslowakische Polizei. Das Innenministerium bestätigte auf Ersuchen der Verantwortlichen in Mladá Boleslav indes gern die Produktion von 1.000 Wagen. Es war ja praktisch unmöglich, alle Fahrzeuge vorzuweisen. Schließlich befanden sie sich landesweit im Polizeieinsatz...


Lediglich 100 Fahrzeuge vom Typ 120 hatten das Werk verlassen.

Was damals in Paul Frère vorging, ist nicht bekannt. Die Homologationspapiere unterschrieb er jedenfalls. Der sportlichen Karriere des ŠKODA 130 RS in der Fahrzeugklasse bis 1.300 Kubikzentimetern stand nichts mehr im Weg. Der Ost-Porsche feierte die größten Erfolge für die Marke in der Nachkriegszeit und wurde zur Legende. Mit dem zweitürigen Leichtathleten nutzte ŠKODA zum ersten Mal offiziell das Kürzel RS zur Kennzeichnung der sportlichen Modelle im Programm.

Auf zur Monte!

Nach zahlreichen zufriedenstellenden nationalen Einsätzen des 130 RS und dem Pflichtprogramm des Norwegers John Haugland bei der RAC Rallye 1976 folgte im Januar 1977 die Kür mit Werksfahrer Václav Blahna bei der Rallye Monte-Carlo. Václav Blahna gewann im Motorsportmekka am Mittelmeer nicht nur die Klasse bis 1,3 Liter Hubraum vor seinem Teamkollegen Milan Zapadlo, sondern rollte auch als bester Fahrer der Tourenwagen-Gruppe 2 über die Zielrampe am Quai Albert 1er.


Die Kür folgte bei der Rallye Monte-Carlo.

In der Tschechoslowakei waren die 130 RS über viele Jahre das Maß der Dinge. Allein bei der Barum Rallye, dem Top-Wettbewerb des Landes, holten sich die 130 RS-Teams zwischen 1976 und 1983 sechs Mal den Gesamtsieg. Drei Mal trug sich John Haugland in die Siegerliste ein. Aber auch Jiři Sedivý, maßgeblich an der Entwicklung des Sportwagens aus Mladá Boleslav beteiligt, konnte einen Erfolg feiern. Im Jahr 1981 sicherte sich das Werksteam den Marken-EM-Titel bei den Tourenwagen. Drei Jahre später löste der ŠKODA 130 LR den ausdauernden Paradesportler ab.

Artikel erstmalig erschienen im ŠKODA Kundenmagazin Extratour, Nr. 2/2014.

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