Top Story Wladimir Kaminer: Grenzgänger mit dem ŠKODA

Unser Gastautor Wladimir Kaminer schreibt in seinem aktuellen Beitrag über Grenzen und einen ausschweifenden Lebensstil in Limburg.

In der letzten Zeit wird viel über Grenzen gesprochen. Ich lese entweder etwas über deren Schließung oder deren Wiederherstellung, über neue Grenzgebiete und alte Grenzübergänge, die wieder in Betrieb genommen werden. Wir müssen uns Grenzen setzen, sagen die einen, die anderen wollen gar keine Grenzen haben. Es gibt zum Beispiel „Ärzte ohne Grenzen“.

Man könnte pauschal die Deutschen aufteilen, in solche, die sich gerne abriegeln – Schranke hier, Schranke dort und drumherum alles vermint. Sie können die Gemütlichkeit des eigenen Landes nur genießen, wenn sie genau wissen, wo es zu Ende ist. Ich gehöre zu dem anderen Teil: Wenn ich irgendwo eine Grenze sehe, möchte ich sie sofort verletzen. Ich möchte über die Grenze hinausschießen, als Grenzgänger die neuen, unbekannten Welten dahinter erforschen, sie vergleichen und beschreiben.

Mit dem ŠKODA SUPERB unterwegs

Neulich bin ich mit meinem ŠKODA mehrmals über die Grenze gefahren, genauer gesagt zwischen Limburg und Diez. Ich gebe zu, das war kein besonders gefährliches Unterfangen. Doch die Unterschiede waren nicht zu übersehen. Die Hessen sind evangelisch, die Pfälzer katholisch. Die einen waren von den Amerikanern, die anderen von den Franzosen besetzt. Die Pfälzer werden auch heute noch von den Hessen als komische Franzosen angesehen. Sie trinken gerne Wein, sind also leichtsinnig und sorglos, wie die Weintrinker eben sind. In ihrer Küche nehmen sie Tiere auseinander und holen Teile daraus, die in Hessen höchstens als Katzenfutter infrage kämen. Die Hessen sind bodenständige Biertrinker, die am liebsten Äpfel mit Kartoffeln essen. Natürlich mit einem Schnitzel dazu. Aber ohne Kopf und Nieren.

„Teuerste Einmannwohnung Deutschlands“

Diez ist ein altes, staatlich anerkanntes Heilbad, dort wurden in einer Wildweiberei-Höhle Menschenspuren aus der Steinzeit entdeckt. In Limburg, direkt unter dem Dom, wurde in einer Höhle die teuerste Einmannwohnung Deutschlands gefunden, von dem ehemaligen Bischof für 30 Millionen ausgebaut, mit einer eigenen privaten Kapelle, in der er ganz alleine unter vier Augen mit Gott reden konnte. Die Kapelle hatte ein abnehmbares Dach, weil die riesigen Adventskränze nicht durch die Tür passten. Von der Presse bekam der Mann Gottes den Spitznamen „Protz-Bischof von Limburg“ und bescherte der Stadt eine große Tourismuswelle.

Lieber Badewanne als Dom

Die Touristen, die heute nach Limburg fahren, wollen nicht den schönen alten Dom, sondern die Badewanne des Protz-Bischofs sehen. Sogar russische Oligarchen waren auf den Mann Gottes neidisch. Er selbst wurde aus Limburg in den Vatikan in eine kleine 200 Quadratmeter Wohnung versetzt und versteht die ganze Aufregung noch immer nicht. Der Skandal sei „die Folge einer fehlgeschlagenen Kommunikation“ meinte er. Ob er dabei die Handwerker oder Gott meinte, blieb unklar. Angeblich hätten die Handwerker, die seine Residenz bauten, alle Sündenerlasse und Freikarten ins Paradies versprochen bekommen, Gott wollte dabei aber nicht mitmachen und verpetzte den Bischof an die Presse. Die Hessen ärgern sich über den Protz-Bischof, denn eigentlich hatten sie davor immer sehr bescheidene, zurückhaltende Bischöfe gehabt. Sie ärgern sich auch über die Pfälzer, durch den Länderfinanzausgleich fließt viel Geld von Hessen nach Rheinland-Pfalz, damit werden dort unter anderem kostenlose Kitaplätze finanziert.

Über Dumpfbacken im Parlament

Die hätten die Hessen auch gern, sie können sich die aber nicht leisten, weil das Geld wegen des Ausgleichs in die Pfalz fließt. Auch ärgern sie sich über die AfD, eine Partei, die auf der Suche nach Alternativen für Menschlichkeit und gesunden Verstand ist. „Wenn diese Menschen an die Macht kommen, wohin sollen wir dann auswandern?“, klagten mehrere von ihnen in einem Tischgespräch. Ich fand die Sache halb so schlimm. Alle europäischen Länder haben ihre Dumpfbacken in den Parlamenten sitzen, warum soll Deutschland eine Ausnahme sein? Besser, sie sitzen im Plenarsaal, als wenn sie schreiend durch die Straßen laufen, Bomben im Keller basteln oder Flüchtlingsheime anzünden. Trotzdem bleiben die Hessen besorgt. Die Pfälzer dagegen scheinen sich keine Sorgen zu machen. Weintrinker eben.


Alle europäischen Länder haben ihre Dumpfbacken in den Parlamenten sitzen

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