Aktuelles Why We Ride: Vom Punk zum Radler

Manchmal sind es Zufälle, die unser Leben nachhaltig verändern. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel hierfür ist die Irin Orla Walsh. Bei ihr war es das alte Fahrrad ihres Vaters, das ihr bisheriges Leben auf den Kopf stellte.

Dies ist der erste Teil unserer „Why We Ride“-Serie, in der uns prominente Radsportler exklusiv darüber berichten, warum sie die Leidenschaft zum Fahrrad antreibt. Den Anfang macht Orla Walsh: In einem sehr persönlichen Interview verrät die 28-Jährige, die in nationalen Meisterschaften bereits zahlreiche Medaillen eroberte, wie sie vom Sportneuling zur Profi-Radsportlerin wurde. Die Antworten klingen, als wären sie direkt dem Drehbuch zu einem unbeschwerten Film entnommen. Tatsächlich spiegeln sie jedoch die wahre Reise einer Frau zur Selbstverwirklichung und zur Lebensliebe auf zwei Rädern wider.

Interview mit einem Radprofi


1. Ihr Leben vor dem Radfahren unterschied sich doch deutlich von Ihrem heutigen. Können Sie uns etwas über Ihre Reise zum Sport erzählen?

Ja. Ich verbrachte meine späten Teenager- und die meisten meiner 20er Jahre mit einem sehr ungesunden, exzessiven Lebensstil. Meine Wochenendaktivitäten bestanden darin, mit Freunden zu feiern, ich rauchte jeden Tag Zigaretten und machte keinerlei Sport. 2015 brauchte ich ein Fortbewegungsmittel, um bequem zum College zu kommen. Also gab mein Vater mir sein altes Rennrad. Es war für alle eine Art Schock (mich selbst eingeschlossen), dass ausgerechnet ich – jemand, der bis dato jegliches Interesse am Sport vermissen ließ – das Radfahren absolut liebte! Nach einem Jahr, in dem ich täglich jeweils zehn Kilometer hin und her pendelte, entschied ich mich im März 2016, einem lokalen Club beizutreten. Ich fing an zu laufen, bekam einen Trainer, und zwei Jahre später bin ich nun in einer nationalen Elite-Damenmannschaft für Ausdauersport, die Vollzeit in Spanien trainiert! Das waren drei verrückte Jahre für mich.

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2. Was würden Sie jetzt tun, wenn Sie das Radfahren nicht entdeckt hätten?

Ich habe meinen Job als User Experience Designerin in Dublin geliebt. Das würde ich auch heute noch tun, wenn ich nicht die Entscheidung getroffen hätte, Vollzeit-Athletin zu werden.

3. Was ist das Beste an Ihrem neuen Leben im Gegensatz zu dem alten?

Ich bin stärker und gesünder als je zuvor. Die Art und Weise, wie ich mein Leben vor dem Radfahren gelebt habe, war wirklich nicht so toll.

4. Was motiviert Sie zum Radfahren, wenn es draußen kalt, nass und dunkel ist? Und welche Ratschläge haben Sie für Menschen, die es schwierig finden, die Motivation für regelmäßiges Training aufzubringen?

Es kommt öfters vor, dass ich nicht trainieren will. Ich nehme an, man muss wirklich klare Ziele haben und sich konzentrieren, um motiviert zu bleiben.

5. Waren Sie schon immer ein wettbewerbsorientierter Mensch?

Ja! Ich erinnere mich, dass ich als Kind unglaublich wütend wurde, wenn die Leute sich nicht an die Regeln eines Brettspiels hielten und ich wurde grummelig, wenn ich nicht gewann. Mittlerweile bin ich nicht mehr so eine schlechte Verliererin, hoffe ich (lacht).

6. Ihre ersten Rennen liefen nicht so gut. Können Sie beschreiben, was passiert ist und wie Sie die Entschlossenheit gefunden haben, weiterzumachen?

Es war natürlich entmutigend, meine Wochenenden damit zu verbringen, mich auf Rennen vorzubereiten und hinzureisen, nur um dann den Anschluss ans Feld zu verlieren oder mit einem „DNF“ (Did Not Finish) zu enden, also gar nicht erst die Zielflagge zu sehen. Es hat mich nur angespornt, mehr zu trainieren. Ich glaubte daran, dass ich besser sein konnte.

7. Wie sieht eine typische Trainingswoche aus?

Seit ich den Sport Vollzeit betreibe, gibt es unter der Woche eine Mischung aus Bahn-, Straßen- und Fitnesstraining. Es sind in der Regel 15 bis 20 Stunden Training, wobei ich den Großteil der Zeit auf der Straße verbringe. Schnelle, harte Einheiten auf der Bahn und dann zwei Trainingseinheiten, um Kraft aufzubauen.

8. Welche Lehren haben Sie aus dem Radsport gezogen, die Sie auf andere Lebensbereiche übertragen konnten?

Das Radfahren hat mich gelehrt, geduldiger zu sein. Es braucht viel Hingabe und Ausdauer, um dorthin zu gelangen, wo man sein will, und das kann auch für viele andere Lebensbereiche gelten.

9. Welche Orte oder Länder haben Sie mit dem Fahrrad bereist und was gefällt Ihnen am Reisen?

Ich bin durch ganz Irland gefahren, war in Italien, Großbritannien, Belgien und Portugal und lebe jetzt in Spanien, um zu trainieren. Das Reisen ist fester Bestandteil des Radsports. Wir müssen zu Rennen auf der ganzen Welt reisen und ich liebe es, neue Städte zu besuchen. Natürlich ist es ein Bonus, wenn das Wetter sonnig und trocken ist und wenn es ein Indoor-Velodrom zum Rennfahren oder Trainieren gibt (anders als in Irland).


Schnelle, harte Einheiten auf der Bahn und dann zwei Trainingseinheiten, um Kraft aufzubauen.

10. Achten Sie noch auf etwas anderes als Teil Ihres Trainingsprogramms – so etwas wie Ernährung oder Ruhe?

Natürlich! Die Ernährung ist ein sehr wichtiger Teil meines Trainings. Ich muss mich richtig auftanken, um zu funktionieren und auch für die Regeneration nach dem Training brauche ich die richtige Ernährung, um mich zu erholen. Ausreichende Ruhephasen sind ebenfalls ein wichtiger Faktor für die Regenerierung. Deshalb haben wir in unserem Trainingsplan fest eingeplante Ruhetage und sogenannte Entlastungswochen, wo die Trainingsdauer verkürzt wird.

11. Wie hat Ihnen das Fotoshooting mit dem KAROQ gefallen? Und konnten Sie in Schottland auch Rad fahren?

Das Fotoshooting war ein Erlebnis! Ich habe nicht erwartet, dass das Wetter so kalt oder windig wird, aber ich kämpfte mich durch den Sturm und habe die Herausforderung genossen. Da ich nur für eine Nacht in Schottland war, hatte ich keine Chance, die Gegend zu erkunden. Ich würde aber definitiv gerne noch einmal hinfahren und eine Radtour machen.

12. Welchen Rat würden Sie Frauen geben, die in Sachen Fahrrad absolute Anfänger sind und gerade erst mit dem Sport beginnen?

Ich würde sagen, sie sollten sich an die örtlichen Vereine wenden und sich über Anfängerkurse erkundigen. Es kann einschüchternd sein, als Anfänger gleich in einer großen Gruppe auf Tour zu gehen, besonders, wenn man als Frau den Männern oft zahlenmäßig unterlegen ist. Aber die meisten Clubs kümmern sich um ihre Neulinge. Clubs wollen Neueinsteiger ermutigen, also braucht man keine Angst haben, „zu langsam“ zu sein, denn eine Spritztour mit einer Wochenendgruppe sollte nur so schnell sein wie der langsamste Fahrer.

13. Wenn Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, was sind ihre must-haves?

Helm, Fahrradschuhe, Fahrradbrille, Reparaturset. Mehr braucht man nicht.

14. Was ist das beste Radsporterlebnis, das Sie bisher hatten?

Wahrscheinlich unser erstes Team-Rennen beim Weltcup in Manchester. Wir waren zuvor noch nie bei einer Weltmeisterschaft am Start, daher empfand ich es als absolut beängstigend, vor einem Stadion voller Menschen zu fahren, mit Kommentatoren, die unsere Namen sagten und Kameras, die uns aufnahmen... aber was für eine aufregende Erfahrung!

15. Steht auf Ihrer persönlichen Wunschliste eine bestimmte Fahrt? Oder ein Rennen?

Ich würde eines Tages gerne bei einem Weltmeisterschaftsrennen antreten, entweder auf der Rennbahn oder auf der Straße.


Das Fotoshooting war ein Erlebnis!

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