Aktuelles So wurde ŠKODA zur globalen Marke

Vom Fahrrad zum Automobil: seit 124 Jahren Mobilität nach Maß

Das nennt man einen schwungvollen Aufstieg: In einem Zeitraum von nur zehn Jahren entwickelte sich Laurin & Klement, 1895 in Mladá Boleslav gegründet, von einer Fahrradmanufaktur zum Automobilhersteller. Die kleine Werkstatt in Böhmen sollte die Keimzelle der weltweiten Erfolgsgeschichte von ŠKODA werden.

Von Büchern zu Fahrrädern

Alles begann mit einer Beschwerde des Buchhändlers Václav Klement aus dem böhmischen Mladá Boleslav über sein Fahrrad. Es entsprach überhaupt nicht seinen Haltbarkeits- und Qualitätsansprüchen, sodass er seinen Ärger kundtat und ein Schreiben an den deutschen Hersteller formulierte. Als dieses ziemlich unhöflich beantwortet wurde, war der Buchhändler so erzürnt, dass er beschloss, mit dem Schlosser Václav Laurin die Firma Laurin & Klement zu gründen – eine Reparaturwerkstatt für Fahrräder. Doch dabei blieb es nicht lange: Bald schon wurde aus der Werkstatt ein Betrieb zur Fertigung von Fahrrädern.

Knapp drei Jahre später versah man einige Fahrradmodelle mit einem Hilfsmotor, was bereits die Vorstufe der 1899 begonnenen Motorradherstellung war. Die Motorräder aus der böhmischen Provinz erlangten bald hohes Ansehen im ganzen Land und über die Grenzen hinaus: 1903 traten Laurin & Klement-Motorräder bei 34 Rennen an, von denen sie 32 gewannen. Die Motorräder besaßen Motoren mit ein, zwei oder sogar vier Zylindern.

Vom Zweirad zum Automobil

Als sich der Siegeszug des Automobils andeutete, setzte auch Laurin und Klement bald auf vierrädrige Fahrzeuge. 1905, also vor mehr als 110 Jahren, rollte das erste Auto aus der Werkshalle in Mittelböhmen: die Voiturette Typ A. Das Unternehmen vollzog 1907 die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Um größere Stückzahlen produzieren zu können, kaufte Laurin & Klement die Reichenberg Automobil Fabrik auf und war damit der größte Autoproduzent Österreich-Ungarns, wozu auch Böhmen zählte. Laurin & Klement baute neben Autos und Motorrädern auch landwirtschaftliche Maschinen, Lastwagen, Omnibusse, Straßenwalzen und sogar Flugzeugmotoren. Einige Baureihen wurden weltweit ausgeliefert.

Laurin & Klement und ŠKODA fusionieren

Nach dem 1. Weltkrieg sah sich Laurin & Klement als Rüstungsproduzent mit der Situation konfrontiert, dass der Markt für zivile Fahrzeuge zusammengebrochen war. 1919 kam dieser langsam wieder in Gang, eine stringente Modellpalette zu entwickeln misslang jedoch. 1925 wurde Laurin & Klement vom ŠKODA Konzern aus Pilsen übernommen. Bis dahin hatte das Unternehmen rund sechzig verschiedene Modelle produziert.

ŠKODA war ein Pionier der Industrialisierung. Der Ingenieur Emil Ritter von Škoda hatte 1869 einen kleinen Maschinenbaubetrieb mit 33 Mitarbeitern in Pilsen übernommen, in dem er zuvor drei Jahre als Oberingenieur tätig war. Innerhalb weniger Jahre baute Emil Škoda das Unternehmen zu einem großen Industriekonzern mit 4.000 Beschäftigten aus. Neben der Produktion von Stahl und Rüstungsgütern belieferte das Pilsener Unternehmen beispielsweise Zuckerfabriken, Brauereien und Eisenhütten mit Anlagen und Gussteilen.

Ab 1881 entwickelte sich ŠKODA zum Technologiekonzern, der nicht nur russische und südamerikanische Schlachtschiffe ausstattete, sondern auch das Kraftwerk an den Niagarafällen sowie die Schleusen vom Panamakanal belieferte. 1885 errichtete ŠKODA eine eigene Gussstahlhütte. Die Entwicklung vom Waffenhersteller zum Hersteller von zivilen Produkten erfolgte 1918 durch das finanzielle Engagement des französischen Rüstungskonzerns Schneider & Cie. Ziel war es, mit zivilen Produkten in den europäischen Osten zu expandieren. Die Nachkriegsproduktion begann mit Lokomotiven.

Mit der Übernahme von Laurin & Klement im Jahr 1925 wurde ŠKODA zum Automobilbauer, Václav Laurin blieb technischer Direktor der Automobilsparte. Für eine Übergangszeit trugen die Modelle den Doppelnamen L&K ŠKODA. 1930 beschäftigte der Konzern 36.000 Mitarbeiter. 1934 folgten gleich zwei wichtige Meilensteine: der wirtschaftliche ŠKODA POPULAR mit dem gewichtssparenden Zentralrohrrahmen sowie Transaxle-Getriebe und der komfortable ŠKODA SUPERB, Urvater des aktuellen Flaggschiffs in der Modellpalette des tschechischen Traditionsherstellers.

Die Zeit der Verstaatlichung

Am 10. Mai 1945 übernahm die rote Armee die Leitung bei "ŠKODA AUTO" und trennte die Automobilproduktion vom Rest des Konzerns ab. Am 24. Oktober folgte die Verstaatlichung des Konzerns. Während im Westen innerhalb eines Jahrzehnts die Automobil- zur Schlüsselindustrie heranwuchs, stagnierten die Autohersteller unter der sozialistischen Planwirtschaft. Während für massentaugliche Fahrzeuge kaum Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten bereitstanden, musste ŠKODA genau wie andere Hersteller Luxuslimousinen für die Funktionäre in Kleinserien herstellen.

Wandel des Automobils

Mit viel Engagement und Erfindergeist gelang es ŠKODA in den 1950er-Jahren dennoch, trotz aller Restriktionen hinter dem "Eisernen Vorhang" eine moderne Modellpalette auf die Räder zu stellen. So wurde der 1959 präsentierte OCTAVIA wegweisend für die Firmengeschichte. Das Mittelklassemodell verfügte als fortschrittliche Entwicklung über einzeln aufgehängte Vorderräder. 1964 stellte ŠKODA nach neun Jahren Entwicklungszeit eine weitere aufsehenerregende Modellreihe vor: den 1000 MB bzw. 1100 MB, eine viertürige Limousine mit Heckmotor und Heckantrieb. Bis 1969 entstanden - vor allem dank der hohen Nachfrage aus den Ländern des Warschauer Pakts - mehr als 450.000 Exemplare des Hecktrieblers. Im Gegensatz zu den Automobilen aus russischer oder ostdeutscher Produktion galten ŠKODA Fahrzeuge als schick und sportlich.

1987 gelang ŠKODA dann ein wichtiger Erfolg, der die Tür zu einer erfolgreichen Zukunft öffnete. Das Unternehmen brachte den frontgetriebenen Kompaktwagen FAVORIT heraus, dessen moderne Form das italienische Design Studio "Bertone" entworfen hatte.

Die Zeit nach der Wende

Der FAVORIT weckte das Interesse westlicher Automobilhersteller, die nach dem Ende des Sozialismus in der Tschechoslowakei geradezu Schlange standen, um eine Partnerschaft mit dem Traditionshersteller einzugehen. Auch ŠKODA selbst suchte nach einem starken Partner. In Abstimmung mit der Regierung entschied sich das Unternehmen für den Volkswagen Konzern, der ŠKODA am 16. April 1991 als vierte Marke aufnahm. Damit standen ŠKODA alle technischen Möglichkeiten, viele Plattformen und Antriebsalternativen der Volkswagen Gruppe offen. ŠKODA verknüpfte die moderne Technik mit dem eigenen präzisen Design zu attraktiven Fahrzeugen wie dem FELICIA, dem ersten unter technischer Beteiligung von Volkswagen entwickelten ŠKODA. 1996 stellte die Marke mit dem geflügelten Pfeil im Logo dann das erste vollständig unter Konzernägide neu entwickelte Modell vor: den ŠKODA OCTAVIA. Das attraktive Kompaktmodell legte den Grundstein für eine neue Erfolgsgeschichte der Autos aus Mladá Boleslav, die bis heute immer weiter Fahrt aufnimmt.

124 Jahre nach Montage der ersten Fahrräder in einer Garage und 114 Jahre nach Beginn der Automobilproduktion ist ŠKODA als Hersteller so erfolgreich wie nie zuvor in seiner Geschichte.

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