Aktuelles Filmparadies Tschechien – Der richtige Dreh

Hollywood und Tschechien. Das klingt erst einmal, als könnte nichts weiter auseinanderliegen. Tatsächlich gilt aber das Land in der Mitte Europas längst als heißer Tipp bei internationalen Filmdrehs von Historienfilmen bis zu Blockbustern.

Erst vor wenigen Monaten mussten Wanderer in den nordböhmischen Prachaticer Felsen wegen weitläufiger Absperrungen kehrtmachen. Der Grund: Hier wurde die Amazon-Serie „Carnival Row“ (Start: 2019) mit den Hollywood-Stars Cara Delevigne und Orlando Bloom gedreht. Die Fantasy-Noir-Serie spielt in einer neo-viktorianischen Stadt, in der ein Mordfall an einem Feen-Girl (Delevigne) aufgeklärt werden muss. Die Ermittlungen führt Rycroft Philostrate (Bloom). Schon im Oktober war der Schauspieler zu den Serien-Dreharbeiten in den 1933 gegründeten Barrandov-Studios in Prag gesehen worden. In deren Ateliers wurde bis vor ein paar Monaten auch die Serie „Knightfall“, ein Historiendrama über die Tempelritter, mit Tom Cullen abgedreht. Da entstand das mittelalterliche Paris mitten in Prag. Nicht das erste Mal, dass die französische Hauptstadt nach Tschechien „verlegt“ wurde. Im Film „Les Misérables” (2012), einer Musical-Verfilmung nach einem Roman von Victor Hugo, wird der Burgplatz auf dem Hradschin zum Paris des 19. Jahrhunderts.

Liebesgrüße aus Prag

Die Vielfalt an angebotenen Kulissen ist das Stichwort bei Agententhrillern. In Prag und Umgebung locken die vielen verschiedenen „Hintergrundbilder“ von Renaissancehäusern bis Plattenbauten, von Großstadt bis unberührter Natur die Filmemacher seit vielen Jahren an. Der James-Bond-Klassiker „Casino Royale“ (2006) mit Daniel Craig in der Hauptrolle wurde außer im Kurbad Karlsbad und auf Burg Loket auch am Prager Flughafen gedreht, der in dem Film zum Airport Miami avanciert. Das Strahov-Kloster wird zum britischen Parlament und auch die Karlsbrücke fehlt als Drehort nicht.

Die ist auch im ersten Teil des berühmten Agententhrillers „Mission: Impossible“ (1996) zu sehen. Dort stürzt Jon Voight als Impossible Missions Force Leiter Jim Phelps in die Moldau, ein paar Meter weiter explodiert sein Auto. Gedreht wurde außerdem im Nationalmuseum und im Liechtenstein-Palais. Unvergessen ist die Szene im Aquarium-Restaurant am Altstädter Ring, als sich Tom Cruise mit einem Kaugummisprengsatz aus der Schusslinie katapultiert. Das Restaurant stand zwar in den Studios Barrandov, etwa fünf Kilometer weiter, aber genau das ist einer der Gründe, warum Tschechien für Hollywood so attraktiv ist: Alles liegt nah beieinander. Und so wurde auch der Thriller „xXx – Triple X“ (2002) in den Studios Barrandov und vor echten Kulissen, wie der Teyn-Kirche am Altstädter Ring oder dem Palais Schwarzenberg als amerikanischer Botschaft gedreht.

Prager Metro wird zum Filmset

Im August 2013 bremsten amerikanische Filmemacher gar die Prager Metro aus. Die Linie B fuhr drei Tage lang nur noch eingeschränkt, weil an der Station „Anděl“ Szenen des Films „Child 44“ (2015), ein Streifen über eine Serie von Kindsmorden in der stalinistischen Sowjetunion, gedreht wurden. So manchem Prager, nun angewiesen auf Ersatzverkehr, ging das dann doch etwas zu weit. Die Verkehrsbetriebe hingegen freuten sich über Mieteinnahmen für die Dreharbeiten.

Die Vielfalt der Filmprojekte zeigt auch, dass das heutige Tschechien eine moderne Demokratie ist. Zu Zeiten des „Eisernen Vorhangs“ wäre ein sowjetkritisches Filmprojekt nicht realisierbar gewesen. International gedreht wurde allerdings trotzdem. Der Film „Amadeus“ über den Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart wurde 1985 sogar mit einem Oscar ausgezeichnet. Die Wahl fiel auf Prag als Filmkulisse, weil seine Fassaden – im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört und im Kommunismus vernachlässigt – mehr wie das Wien des 18. Jahrhunderts aussahen als die österreichische Hauptstadt selbst. Das ist heute nicht mehr der Fall.

Auch deshalb sind die Barrandov Studios, in denen schon die halbe Welt als Kulisse nachgebaut wurde, eine begehrte Anlaufstelle für Filmemacher. „Wir sind außerdem bekannt für unsere gut ausgebildeten Fachleute in den verschiedenen Bereichen des Films“, sagt Jakub Zika, Sprecher der Studios. Mit neun Ateliers auf einem 160.000 Quadratmeter großen Grundstück sind die Möglichkeiten vielfältig. Das wissen die Produzenten, die von den immer noch vergleichsweise günstigen Preisen profitieren.

 

Artikel erstmalig erschienen im ŠKODA Kundenmagazin Extratour, Nr. 1/2018.

Die Linie B fuhr drei Tage lang nur noch eingeschränkt, weil an der Station „Anděl“ Szenen des Films „Child 44“ (2015) gedreht wurden.

In Touch with ŠKODA.

Das neue Online-Magazin extratouch von ŠKODA AUTO Deutschland ist Ihre neue Web-Adresse für spannende Interviews, aktuelle Hintergrundinformationen, vielseitige Einblicke in die Welt der tschechischen Traditionsmarke und interessante Geschichten über Menschen und aus dem Leben. Willkommen!
Impressum | Datenschutz | Cookie Policy

Nach oben